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GedankenjournalEs ist nicht alles. Wie vermutet. 26/11/2009 Jeder hat eine andere Vorstellung vom Paradies
Und ob es überhaupt ein Paradies geben kann. Was aber keinen theologischen Disput nach sich ziehen soll. Wir können uns ja bereits vor dem nun folgenden Text darauf einigen, dass ein Paradies nichts anderes ist, als die Institutionalisierung von Wünschen und Träumen. So betrachtet kann es natürlich kein Paradies ohne Fußball geben. Und – spinne ich nun weiter – es gibt einen großen Bahnhof für Zeitreisen. Vor und zurück. So kann man erfahren, was einmal aus den Kindern wird. Oder was in der Vergangenheit war. Paradiesisch wäre ein Premiumsegment, in welchem Vergangenheit beeinflusst werden kann. “Tue es nicht, Klara!” würde ich bei solcher Gelegenheit immer dann flüstern, wenn sich ihr ein gewisser Alois nähert und hoffe somit der Welt einen Diktator ersparen zu können. Durch nicht zustande gekommenen Sex, bzw. durch Beihilfe zur Unterlassung. Letzteres ist natürlich ein Scherz. Vergangenheitsbeeinflussung kann es natürlich nicht geben, Raum und Zeit würden auseinanderbersten und ich hätte in der Folge anders geratener Ereignisse meine Frau nicht kennengelernt. Aus meiner heutigen Sicht ist es selbstverständlich, dass auch sie ihren Platz in meinem Paradies hat. Sie wird allerdings mindestens sechs Stunden pro Tag anderweitig beschäftigt. Im Übrigen steht mir die Sekretärin rund um die Uhr zur Verfügung. Zum Anherrschen. Und sechs Engel dazu, für die Aufträge. Na klar: Je konkreter man sein Paradies beschreibt, desto unterschiedlicher wird es. 25/11/2009 Heute bleibt das Autoradio aus
Zeit zum Nachdenken. Ich bin auch nicht anderweitig abgelenkt, denn die Strecke ist jeden Tag die selbe: Von der AVUS auf die A100 und - anders als es der Google-Maps-Routenplaner vorgibt - vorbei an Tempelhof, also nicht auf die B96, sondern weiter bis kurz vor Dreieck Neukölln, Abzweig Grenzallee. Hier gilt es sich in die linke Rechtsabbiegerspur zu schieben, um auf der eigentlichen Grenzallee im linken Fahrstreifen zu landen. Hierin fährt man bis Dammweg, wo es wiederum gilt, sich in die rechte Fahrspur einzuordnen…. Wer weiß, wann er sich einordnen muss, kommt schneller ans Ziel, denke ich plötzlich. Und: Wäre ich Kanzlerin und würde ich als solche solche Gedanken aussprechen – In Marmor würde man meine Worte hauen. Sie wären von da an in goldenen Lettern an jeder Steuerbehörde angebracht. Immer noch stelle ich mich jeden Morgen auf die Waage
Sehe das Display und sage mir: “Normalno!” Russisch. Weil so von mir gewohnt. So konnte ich doch tatsächlich dem Jo-Jo-Effekt widerstehen. Seit der letzten großen Abnahmeaktion blieb das Gewicht, wie ich es wollte. Doch eine andere Stimme fängt plötzlich an, mit mir zu diskutieren. Sie wendet ein: “Fast!” - denn ein ganz klitzekleines Bisschen nahm ich wieder zu – 1 Kilo, um genau zu sein. Aber dies Kilo – halte ich mir gegen - kann man fast in den Skat drücken. 14 Kilo weniger und 1 Kilo dazu sind immer noch 13 Kilo weniger. Fast 14 sogar. Womit fast alles beim neuen Alten bleibt. Das fehlende Kilo an der 14 kommt wohl vom Fast Food. Sie ist weg, und ich halte Essenzubereiten für aufwändig. Essen sollte schnell gehen, man hat schließlich noch anderes zu tun. Also lieber Chicken Wings, Broiler oder Bratwurst. Fast Food ist fast Essen. Oder sollte ich besser fasten? 24/11/2009 Gedanken zum Auftanken
Radio Paradiso.
Die zugehörige Stimme erinnert einerseits an die der Frau Holle aus dem gleichnamigen Märchenfilm der DEFA, andererseits aber auch an die der Schneekönigin, liegt irgendwie zwischen den beiden. Und der eigentliche Text ist – schreibe ich voller Vorurteile – Lesbenromantik. Dennoch erlebe ich mich lauschen. “Heilsame Selbstbeherrschung” – klingt irgendwie gut. Hierauf werde ich also warten. Bis sie von mir kommt. Wir scheinen solche Sprüche zu mögen: Kryptisch und gehaucht. Gedanken zum Auftanken. Für alle die, die Nachtanken müssen. An einer Radiogedankentanke. Wir vernehmen gern, wie eine erotisch-angenehme Stimme das Sound Branding der Station vorträgt:
Aber es gibt auch Menschen, die sind anders programmiert. So denke ich Und: Weniger als siebzig Jahre genügen uns also, um ein Stalingrad vergessen zu machen. Gedanken zum Auftanken. 23/11/2009 Dürfen wir reinkommen?
Das fragt mich eine Frau mit zwei Kleinkindern. Klar. Gern. Willkommen an Bord!
Na gut. Ich habe nichts dagegen. Es ist wenig Betrieb und Asterix freut sich über jede Aufmerksamkeit. Sie scheint eine gute Mutter zu sein, eine Pädagogin und Wissensvermittlerin, die offenbar jede Gelegenheit wahrnimmt, ihre Kindern zu lehren.
Ja. Sie wissen es.
Die kleinste Leute liefern oft die größten Sätze. Endlich können wir uns New York leisten
Sogar First Class. Sie war noch niemals in Amerika, diese Reise wird mein Geschenk an sie. An Weihnachten. Wir werden gemeinsam ihre Flugangst überwinden, dort in einem schicken Hotel wohnen, in die Oper gehen und tagsüber shoppen. Und – nehme ich mir vor – fürs Shopping werde ich Geduld aufbringen. Ihr zuliebe. Es bleibt sogar noch etwas übrig - rechne ich nun - um andere würdig zu beschenken. Meinen Freund zum Beispiel. Er half mir oft in der Not, nun erhält er seinen Dank und kann sich vielleicht sogar, sollte er das wirklich wollen, selbständig machen. Eines meiner Kinder träumt von einem Mini. Den soll es haben. Einen niegelnagelneuen. Meiner Tochter – vorfreue ich mich – lege ich einen kleinen, hübsch verpackten Karton unter den Weihnachtsbaum. Sie wird was Kleines vermuten, Schnongse aus Marzipan vielleicht, doch dann, nachdem sie es geöffnet, wird sie Autoschlüssel finden und ihr neues Auto wird draußen stehen, auf dem Parkplatz. Die andere bekommt einen Mac mit allem Schnickschnack und ein Notebook dazu. Und mit meinen Eltern machen wir eine Reise - so plane ich nun. Gemeinsam nach Moskau. Dorthin wollen sie wieder einmal, denn die Tage, die sie dort vor Jahren verbrachten, gehören zu den glücklicheren. Bin ich froh! Diese elende Knappheit wird nun bald vorbei sein. Das Wichtige fürs spätere Leben ist: Bescheiden bleiben! Das will ich nie vergessen. Will mich stets erinnern, wie es früher war. Doch zuvor – vor aller Bescheidenheit - veranstalten wir eine große Feier. Feiern gemeinsam den Segen. Nach ukrainischem Ritus. Laden hierzu auch alle unsere Kiewer Freunde ein. Die deutschen auch. Musikanten sollen spielen – russische und deutsche. Zwei Bands. Abwechselnd. Wodka und Bier, Pelmeni und Bratwurst. Wir werden tanzen, singen, fröhlich sein. Etwas muss ich auch zurücklegen, für irgendwelche Notfälle. Oder um notfalls zu helfen. Danach wird der Stress beginnen: Die Wohnung gilt es zu wechseln. Und neu auszustatten. Oder erst einmal zu finden, denn sie wünscht sich eine Wohnküche, ein “Studio”, wie man in der Ukraine ein großes Wohnzimmer mit Kaffeetresen nennt. Doch letztendlich ist es positiver Stress, denn man verfügt nun über alles erforderliche Geld, muss es nur vernünftig kanalisieren. Ist es nicht komisch, dass sich das eigene Leben schlagartig ändert, wenn man es bezahlen kann? Ich darf nun nicht vergessen, den Lottoschein auch abzugeben. 21/11/2009 Im Augenblick erwische ich mich beim Radio-Russkij-Berlin-Hören
Obwohl ich die Musik des Senders doof finde. Die Kommentare auch, die Staumeldungen, der Wetterbericht – alles von dieser Radiostation finde ich doof-doof. Auch sie, die inzwischen unterwegs ist, findet diese Station nicht sonderlich geistreich, aber wir mögen die Stimmen in einer uns vertrauten Sprache. Sie senden russisch und sie kann das immer noch besser verstehen als Deutsch. Ausserdem kennt sie die Sänger und verfügt somit über die ihr willkommene Gelegenheit, Hintergrundinformationen an den Mann zu bringen: Einer der Sänger ist geschieden, eine der Sängerinnen hat einen zehn Jahre jüngeren Mann geheiratet, jene Band ist erst neulich in Krasnojarsk aufgeteten... Und ich, der Deutsche, bin von Hause aus tolerant. Höre mit. Obwohl ich die Musik des Senders nicht leiden mag. Toleranz scheint mir plötzlich ein herausragendes deutsches Wesensmerkmal zu sein. Ein Pendant - “Radio Deutsches Moskau” - wird es so schnell nicht geben. Wiedemauchsei: Ich entdecke plötzlich in mir den Drang nach Beständigkeit, denn jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit - von Hohenzollerndamm bis Karl-Marx-Allee - hörten wir gemeinsam diesen Sender aus dem Autoradio. Nun ist sie weg, nichts soll sich ändern, ich höre Radio Russkij Berlin - - und werde wohl langsam alt. 20/11/2009 Vor der Abreise nach Kiew kontrolliert sie ihre Unterlagen
Geld? Pass? Papiere? Dann geht sie die Geschenkliste durch: Dieses ist für die, jenes für den, anderes ist für andere Freunde. Für einen Euro bekommt sie dort etwa 12,28567 Griwna. Heute zumindest, morgen wird es vielleicht mehr sein. Medikamente werden in Kiew benötigt. Die ukrainische Hysterie in Bezug auf die gefakten Krankmeldungen hatte wohl – so sagt man uns – die Apotheken leer gekauft. Nun seien kaum noch Kopfschmerztabletten zu haben. Und die Freunde werden froh sein, sich versorgt zu fühlen. Hilfe ist nicht unbedingt nur etwas, was der jeweils Andere im Augenblick benötigt, sondern auch, was ihn glücklich macht. Tee wird sie ebenfalls mitnehmen, Kaffee, Rotwein und Schokolade. Und der Zug fährt 15:32 ab Ostbahnhof. Fliegen will sie nicht “wegen dem Druck auf die Ohren” sagt sie - wegen ihrer Flugangst, weiß ich. Und schweige. Ich würde ihr nie Flugzeug vorschlagen – hier sind immer nur die Antworten auf Fragen der Anderen. Ich sehe sie kramen.
Bis März 2010. Das will ich mir merken. Denn bald muss sie zum Recall - zum Ausländerbehörden-Casting. Deutschland sucht die Superausländer, denke ich nun - - und staune, dass der Medienmist tatsächlich in mein Hirn gedrungen ist. 19/11/2009 Schon seit Stunden ist die Dunkelheit hereingebrochen
Doch ich bin immer noch wach. Die rhythmischen Schlafgeräusche meiner Bettgenossin sind nun die Wegbegleiter meiner Gedanken. Am Fenster. Hier sehe ich das silberne Licht der Straßenlaternen, welches sich auf die Silhouetten der Bäume ergießt. Der Nachtbus - der Lumpensammler, wie wir ihn nennen - erscheint und wird zur einzig beweglichen Größe und zwingt meine Augen, ihn zu begleiten. Nun ist er weg und nichts geschieht. Alles ist so klein. Tagsüber Sturm, nun ist es still. Windstill. Kann das als Gleichnis gelten? Gutenberg ist der Mann mehrerer Jahrtausende, denke ich nun übergangslos. Und dass es stimmt, was Reich-Ranicki sagte. Goethe und Schiller hätten wohl nie so schön schreiben können, wenn sie nicht zugleich auch gewusst hätten, dass ihre Texte gedruckt und somit gelesen werden. “Sternstunden der Deutschen” titelt die zugehörige ZDF-Show. Sucht nach Gemeinsamkeiten deutscher Stämme. Findet einiges. Und doch – behaupte ich trotzig – sind wir eher Europäer als Deutsche, eher Grenzland als Papst. So hänge ich auch wieder einmal fest. Wieso – frage ich mich nun wiederholt – sind die Gemeinsamkeiten innerhalb slawischer Völker größer als bei uns? Schafft kultivierte und ritualisierte Geselligkeit Gemeinsinn? Oder ist es einfach nur so, weil sie es so wollen? Noch immer weiß ich keine Antwort. Slawische Unterschiede kenne ich nur innerhalb der Ukraine und global betrachtet, sind die Sonderheiten ukrainischer Mentalität gegenüber der russischen geringer, als innerhalb der Ukraine selbst. Was aber, so paradox es klingt, auch wieder logisch ist. Plötzlich torkelt ein Mann des Weges daher. Wie vom Blitz getroffen sind nun alle Gedanken verschwunden. Nun sehe ich nur noch dem Trunkenbold hinterher - - bis er sich am Ende unserer stillen Straße auflöst. 18/11/2009 Er ist im falschen Körper
Das stelle ich heute früh beim Aufwachen fest. Wahrscheinlich kann, was für manche Menschen gilt, auch für Hunde zutreffen: Sonderheiten der Genetik. Du bist nicht der, den dein Körper vorgibt zu sein.
Nein. Das glaube ich nicht. Ich glaube, er ist eine Katze. Die Kaninchenkeule ließ er gestern links liegen, bevorzugt Katzenfutter, spielt am liebsten mit einer Spielzeugmaus, hat einen sehr ausgeprägten Willen, - und kann sich nicht unterordnen. 17/11/2009 Überall ist bereits Weihnachtsdekoration installiert
Nun beginnt die Zeit der Gutmenschen. Man hat auch endlich Zeit sich zu kümmern, die Kinder sind aus dem Haus und die Oma im Heim. Darüber hinaus hat sich im Laufe des Jahres auch jede Menge Plunder angesammelt, der nun nicht mehr benötigt wird. Die Klamotten sind den Enkelkindern bereits zu klein, doch zum Wegwerfen sind sie zu schade. Haben schließlich Geld gekostet. “Tue Gutes und rede darüber” war die Devise eines Kommunisten, aber auch Christen sind mit Ablass groß geworden. Doch die Russen scheinen zu reich für ungebetene Weihnachtsgeschenke, von Weißrussland weiß man zu wenig und die Polen sind zu selbstbewusst – so bleibt unseren Gutmenschen quasi nur die Ukraine als Beschenkungsziel. Schon aus logistischen Gründen, Ukraine ist nicht Afrika. Und da Tiere und Kinder immer funktionieren, könnte ein ukrainisches Kinderheim den Deutschen helfen, sich die Seele zu kurieren. Immer einmal im Jahr und immer an Weihnachten. Dabei ist es uns wurscht, dass in der Ukraine Weihnachten erst am 6. Januar gefeiert wird und mit anderem Ritual. Auch zu Heiden kommt der Weihnachtsmann, Hauptsache ist, die Hilfelieferung passiert den Zoll. Schnapp dir ein ukrainisches Kinderheim, wenn Ablassbriefe nicht zu haben sind! Wichtig ist nicht, ob man eine stolze Nation damit kränkt - wichtig ist die eigene Befindlichkeit. Und die ist an Weihnachten immer gut. 16/11/2009 Ein Löwe sitzt mit einem Stier in einer Kneipe
Plötzlich klingelt des Löwen Handy. “Es tut mit leid, ich muss los”, sagt der Löwe zum Stier, “meine Frau rief an.” DER Kneipen-Brüller! Der Stier gerät dies hörend in einen zügellosen Heiterkeitsausbruch: “Pantoffelheld! Die Frau rief an und er muss los – hihi-haha…”. Und man kann sogar sehen, wie sich der Stier lachend auf die Schenkel klopft. Was der Löwe so nicht stehen lassen kann. So drehte er sich um und sagt:
- deine Frau ist eine Kuh.” 15/11/2009 Für die Kleine Hausordnung bin ich zuständig
Ich reinige die Treppe vor unserer Tür. Manchmal. Oder: So oft wie nötig, wie mir scheint - viel zu selten, wie sie vielleicht empfindet. Dass sich dieser Job sich in meiner Zuständigkeit befindet, hat sich in unserer Familie über Jahren hinweg eingebürgert. Fakultativ meinerseits. Eines Tages ergriff ich die Initiative in Gestalt eines Schrubbers und seither ist diese Kompetenzfrage geregelt. Und – gebe ich zu - es ist auch ein bisschen gerecht, denn sie macht in unserer Wohnung Küche, Bad, Schlaf- und Wohnzimmer, wie auch “Flur innen”. Wie auch anderes mehr. Und sogar öfter als ich helfen könnte. "Flur außen" als Revier in meiner Zuständigkeit, wiederhole ich mich nun, ist gerecht. Handeln ist - juristisch betrachtet - immer Tun oder Unterlassen, Kompetenz bleibt unabhängig davon. Sie klebt innerhalb familiärer Hierarchie wie Bonbonpapier und in summa kann man alles mit ehelichem Beischlaf vergleichen: Mann ist zwar irgendwie zuständig, muss aber eigentlich nicht immer. So betrachtet, hat sich einiger Schmutz angesammelt, denn in Potsdam wird der Job mit Treppe und “Flur außen” viel zu unregelmäßig ausgeführt. Jener Schmutz, den auch ich bemerke. Vor allem wenn ich mich anschicke, das Haus zu verlassen. Und immer sage ich mir: “Ich sollte bald den Flur wischen!” Neuerdings sag ich`s mir immer öfter. Doch auch nach solchen Momenten kann ich aber nicht handeln, weil ich zu diesen Zeiten aus dem Haus gehen muss, um mich nicht zu verspäten. Und komme ich abends zurück, den selben Schmutz bemerkend, ihn sogar als “stetig wachsend” wahrnehmend, sage ich mir ebenfalls: “Ich sollte bald den Flur wischen!” Notabene: “Bald”. Weil es abends immer zu spät ist. Nach der Arbeit ist auch Mann groggy, will nur noch ein Gläsel Rotwein, etwas Internet und dann ins Bett. “Langfristig planen” wäre ein guter Ausweg aus solcher Situation. Hierfür bin ich Logiker genug. Ich könnte beispielsweise am Sonntag, überlegte ich, alles miteinander verbinden. Der Laden ist ohnehin zu und das Auto muss sowieso gewaschen und gesaugt werden, also hätte ich eine prima Gelegenheit, “Flur außen” nicht zu vergessen. Gestern – es war Samstag, 21:30 Uhr – kamen wir gemeinsam nach Hause. “Ich sollte bald den Flur wischen!”, dachte ich wie an jedem anderen Tag auch, doch dann riß sie mich – urplötzlich! - aus solchen Gedanken. Mit dem ungeheuerlichen Satz: “Du solltest den Flur wischen!” Ohr nee! Nun geht es nicht mehr, denn nun ist es nicht mehr fakultativ. Sie könnte später vielleicht denken, ich würde den Flur nur dann machen, wenn sie es sagt. Dann wird sie vielleicht außer dem denken: Ich sollte vielleicht öfter was sagen? Und sie wird mir wohl von nun an – so ist zu vermuten – auch noch zusätzliche Aufträge geben wollen und RUCK-ZUCK steht Mann unter Pantoffel. Als Podkablutschnik. Nee! Nicht mit mir! Hätte sie geschwiegen, hätte der Flur eine Chance. 14/11/2009 Erst wenn die letzten Daten miteinander verknüpft sind werdet Ihr merken, dass die meisten Flensburger Punkte
- in Altersheimen generiert werden. Von demenzkranken Rasern, wie auch von Blinden , die die Vorfahrt nicht beachten und jede Kreuzung bei Rot passieren. Darüber hinaus kann - wer pfiffig ist - ohne ein Lenkrad zu berühren oder ein Gaspedal zu betätigen - - den Flensburger Highscore knacken. 13/11/2009 Eine weiße Wand hat einen Horror vor der Abwesenheit von Graffiti
Wie die Natur vor der Leere. Eine weiße Mauer in unmittelbarer Nähe einer Schule, und es existiert keine Strafe, die manche Schüler nicht zu riskieren bereit sind, selbst auf die Gefahr eines Schulverweises. So stehen wir also morgens, im Haus gegenüber, mit unserem Kaffee und beobachten Hausmeister Sisyphos. Sisyphos entfernt Graffito, bei Graffiti und größeren Kunstwerken gehen Profis ans Werk. “Ist der Direktor wirklich so blöde?”, fragt sie mich jeden Morgen und ich weiß hierauf keine Antwort. Sie, in der Rolle einer Direktorin, hätte, um wildes Styling zu vermeiden, einen Wettbewerb “Das schönste Bild” ausgelobt und somit die ehemals weiße Mauer dergestalt bemalt unter Schülerselbstverwaltung gestellt. Das wird nichts nützen, denke ich, schweigend nur. Crews lassen sich nicht verarschen. Daher hätte ich - als Direktor - den ganzen Quatsch einfach nur ignoriert. Es ist schließlich Naturgesetz. Writing ist wie das Pissen der Hunde an Straßenecken und Bäume - "Das ist mein Territorium!". Somit ist die Platzierung eines Piece von der Natur vorgegeben. Und Fame für ein Graffito gibt es nur dort, wo es von der Community wahrgenommen, also gesehen und beachtet wird - idealerweise in unmittelbarer Nähe zu verhassten Autoritäten. SUPERKOOL lebt! Fast scheint das Thema abgehakt. Doch New York fällt mir plötzlich ein, die Broken-Windows-Theorie. So sehe ich mich mit einem Vorschlag in die Pflicht genommen. Hier ist er, in aller Güte:
-> Sie werden nachts kommen, um die verhasste Wand zu weißen. 12/11/2009 Ein Sender spielt “Nights In White Satin”
“Schönes Lied”, bemerkt sie und “wer singt es eigentlich?” will sie wissen. Sie hatte es “damals” nie gehört. Damals, als sie noch in der Sowjetunion lebte. “Es sind die Moodi Blues”, sage ich und drehe den Powerknopf lauter. Singe von nun an lautlos, in Gedanken sozusagen,
... - und sehe mich plötzlich in Halle an der Saale, pubertierend noch, vor der Kaufhalle mit Kumpels und am Regler meines KT 100. An jenem Kassettenrecorder, den ich mir seinerzeit vom Jugendweihegeld kaufte. Die Nights-In-White-Satin-Aufnahme – fällt mir jetzt ein – war vom Soldatensender mitgeschnitten. Und der hatte eine ziemlich eindringliche Kennung:
6:15 Uhr war vor der Schule. Eltern schon weg, Nachbarn zur Arbeit – Musik laut. Anschließend kommt “Massachusetts”, sollte es diese Kassette noch geben. “Massachusetts” von den Bee Gees. Und nach den Bee Gees – fällt mir nun auch noch und im Bruchteil einer Sekunde ein – ist eine Ansage, die ich beim Aufnehmen versehentlich mitschnitt:
In diesen Text übergehend hört man “Are you ready Steve? - A-Ha!, Andy? - Yeah!, Mick? – Okay, …” - den Anfang von Ballroom Blitz. Hierauf folgt “Metal Guru” von T.Rex. Marc Bolan
Ja, ich erinnere mich doch tatsächlich an die genaue Liedfolge einer Uraltkassette. Weiß daher: Nach “Metal Guru” kommt “Paint It Black” von den Stones…. Einmal gab ich die Kassette einem Schalplattenunterhalter – “schieb sie mal rein!” – welcher einige Lieder bei einer Veranstaltung im Kubaklub abspielte und wofür ich später Ärger bekam. Wegen eines Zuträgers. Musste eine Woche später beim Direktor der Schule antanzen. “Wieso hörst du NDR 2, wo es doch so viele schöne DDR-Sender gibt?” wurde ich gefragt und bekam einen Vortrag über die Gefährlichkeit des Klassenfeindes. Wie sich der Gegner um die Herzen junger Menschen bemüht.
Nach dem Gespräch mit dem Direx machte ich “eiren Verstand” innerhalb der Schülercommunity zu einer beliebten Redewendung. Plötzlich bin ich aufgewühlt. Vielleicht sollte ich mir doch einmal meine Stasiakte angucken?
Im Radio läuft inzwischen Reklame. Es ist Tante Edda, die dank Radiowerbung zur Managerin des Jahres wurde. “Sagst ja gar nichts?”, fragt sie nun. 11/11/2009 Zwischen Grenzen ist oft Niemandsland
Etwas ausgedehnter entsteht Grenzland. Das kulturelle Grenzland U-Kraina war dort, wo eine Grenze zwischen zivilisierten Gesellschaften und ihren nomadisch lebenden Nachbarn verlief. Durch große Unterschiede und sich widerstreitende Interessen zwischen Ackerbaukultur, Jägern, Sammlern und den von Viehzucht lebenden Nachbarn kam es zu jenen Konflikten, die über Jahrhunderte hinweg – wie wir heute wissen – zugunsten der Ackerbauern gelöst sind. Die Zivilisation besiegte das Nomadenwesen mit Intrigen und dank besserer Waffen, wie auch Organisation. Was uns heute bleibt, ist eine gemischte Gesellschaft, bzw. einer gemischten Gesellschaft Fortsatz, mit spezifischer Weltanschauung, religiösen Handlungen, neuen Verhaltensmustern, kurz: mit kulturellen Sonderheiten. Und das ist auch gut so, denn unabhängig davon wer Sieger ist – das Gute bleibt. Das Grenzland-Epizentrum verschiebt sich nun nach Westen. So gesehen hat Deutschland eine einzigartige Chance. Nach den Detonationen des letzten großen Krieges sah es sich zunächst auch von Siegern besiedelt, später, weil Bedarf vorhanden, kamen andere Volkschaften hinzu. Neues löst Altes ab, Konflikte löst man nicht mehr mit Gewalt. So mischen wir uns, entdecken Blumen und eine andere Moral. Toleranz ist der deutsche Beitrag im Schmelztiegel neuer Werte, WIR sind Grenzland! (Jedenfalls sind wir eher Grenzland als Papst oder Deutschland) 10/11/2009 Es war vor hunderten von Jahren
Zu Zeiten, da die Nordmänner Gardarike durchquerten. Zu jener Zeit lebte am Ufer des Dnipro ein Paar, welches sich den Unterhalt rechtschaffend erwirtschaftete. Nicht sonderlich viel kam zusammen, aber es reichte zum Leben. Nun geschah es hin und wieder, dass vorbeischippernde Krieger eines fremden Stammes am Ufer des breiten Flusses rasteten, sich bewirten ließen und in den Abendstunden am Lagerfeuer wundersame Geschichten erzählten. Zum Beispiel von Chortiza, jener Insel, die dem Wettergott Thor geweiht ist, von der fernen Stadt Byzantion, vor allem aber vom sagenhaften Reichtum jener Ernte, welch die Krieger jenes Stammes durch Handel und Beutezüge einfuhren. Das brave Weib saß immer wieder staunend am knisternden Lagerfeuer, hörte die Geschichten und gab durch interessiertes Nachfragen zu verstehen, dass auch sie – vom Wunsch beseelt, das eigene Einkommen aufzubessern – eine solche Reise unternehmen würde. Auch ihr Gatte zeigte sich im Prinzip einem solchen Unterfangen nicht abgeneigt. “Das könnt ihr wohl”, sagten eines Tages die Nordmänner, “nehmt einfach das gestrandete Boot, wir brauchen es nicht mehr. Schippert los!”
Und überhaupt: Am Bug klaffte ein Riss, der Mast war gebrochen, das Steuer verklemmt und darüber hinaus fehlte ein Stück vom Heck.
Da gab sie vor, auch allein zu reisen. Er, der ewige Pessimist, könne schließlich daheim bleiben.
Als der brave Mann merkte, dass es ihr mit der Reise ernst war, und besorgt, ihr könne unterwegs etwas zustoßen, schloss er sich dem aus seiner Sicht aussichtslosen Unterfangen an. So schoben sie mit vereinten Kräften jenes Schiff ins Wasser, wo es etwas trieb, um schließlich auf der Stelle zu verharren. Mehr noch: Langsam füllte es sich mit Wasser, denn das Leck an Backbord hatten sie zuvor nicht bemerkt.
Und wenn sie nicht gestorben sind, treiben sie noch heute. Optimist und Pessimist im selben Boot. So dachte ich einst. Und hiermit schien das Posting beendet. Nun aber landet das Boot, ihr Hoffnungsträger, auf einer Sandbank. Hängt hier fest. Bewegt sich weder nach rechts, links, Luv oder Lee. Und auch nicht nach Back- oder Steuerbord.
“Du hast Schuld”, sagt nun das Weib. 09/11/2009 Die ersten Tage Deutschland bleiben ihr in Erinnerung
Die ersten Tage in deutscher Familie auch. Hierin ist es vor allen eine Tante, von welcher die Ukrainerin nachhaltig beeindruckt ist. Erst wurde sie von ihr auf einem ausgiebigen Stadtrundgang unter Berücksichtigung zahlreicher Museen und Kirchen begleitet, anschließend gingen sie einige Läden zum gemeinsamen Shopping, danach zurück in die Wohnung. “Du solltest dich nun etwas ausruhen”, sagte die Tante damals, um sich selbst das Fahrrad zu schnappen. “Friedhof” hieß ihr nächstes Ziel, Blumen gießen und die Gräber der Vorfahren säubern. Sie kam nur zurück, um kurz Abendbrot zu bereiten, und musste auch schon wieder los. Diesmal zur Uni, die in den Abendstunden interessierten Rentnern Vorlesungen anbietet.
Auch der Tante Leben zuvor fand in der Überholspur statt. Hiervon zeugt eine Mappe mit Erinnerungen in Gestalt jener Artikel, die seinerzeit im Lokalteil der Zeitung standen. In denen von ihrem Fleiß berichtet wird: Hier eine kleine Heldentat, dort eine Auszeichnung, die Tante als Vorbotin des Neuen Menschen, der eine zukünftige Menschengemeinschaft auffüllen werde - die Mappe ist prall gefüllt. Irgendwer aus der Familie entdeckte sie beim Umzug, die Tante selbst war zu bescheiden, sie jemals vorzuzeigen. Sieben Jahre sind seither vergangen. Gestern fand Geburtstag statt. Die Tante ist nun abgemagert, klein, verliert hin und wieder die Orientierung und weint, wenn sie ihre eigenen körperlichen Schwächen bemerkt. Auch die Schwächen ihres Hirns, welches hin und wieder aussetzt, bemerkt sie in lichten Momenten, vor allem wenn es gilt, einen Tag zu strukturieren. Plötzlich wird ihr der Geburtstagsrummel zu viel. “Wir sollten nun auseinander gehen”, bittet sie uns, mit ihrer dünnsten Stimme. Doch “du kannst doch noch nicht gehen, denn du bist die Gastgeberin” antwortet ihr die Runde. “Pflegestufe 2” diagnostiziert man untereinander, weil man sich inzwischen in solchen Dingen auskennt. Schwatzt weiter. “Nach der Wende sind viele Heime entstanden, da werden die Leute vernünftig betreut, Krankenkasse zahlt, das war früher, in der DDR, nicht so schön.” Man fand auch für die Tante eine neue Wohnung, “damit sie nicht mehr so weit laufen braucht”. Aber das ist wohl nicht das, was sie wirklich benötigt. “Warum nehmen sie die Tante nicht auf?”, fragt mich die Ukrainerin, “ihr Haus ist doch groß genug?” Doch für eine Großfamilie – wir wissen es – sind wir Deutsche nicht gemacht. 08/11/2009 Peter Brinkmann hat die Mauer geöffnet
Er stellte die entscheidende Frage.
Dies war genau DIE Frage, auf die Schabowski nicht vorbereitet war. Und wegen der er – versehentlich, wie wir heute wissen – “…das gilt meines Wissens ab sofort, unverzüglich” stoiberte. Weshalb später das Berliner Volk zur Bornholmer Straße marschierte. Großartig ist das Szenario, unlängst nachgestellt für eine öffentlich-rechtliche TV-Station: BILD-Reporter Brinkmann schützt seinen Stuhl wie die Deutschen ihre Poolliegen. Er ist der erste, der im Saal erscheint - nur um das Jackett auf die Lehne eines Stuhles zu hängen. Dies ist von nun an SEIN Platz. “Hier wollte ich unbedingt sitzen, weil ich wusste, dass etwas passieren wird.” Sagt er heute. Am 9. November 1989, 18:57 Uhr, war es schließlich soweit. Es kam tatsächlich das Moment, da Brinkmann seine Frage anbringen konnte. DIE Frage, die schließlich Weltgeschichte schreiben wird.
Die Geschichte ist voll solcher Helden. Sie kennt inzwischen den Mann im DDR-Justizministerium, der eigenständig “auch für Privatreisen” in die Vorlage mogelte, den Grenzer, der entschied “zu fluten”, ohne einen Befehl hierfür erhalten zu haben, den italienischen Journalisten, der nach dem Reisegesetz fragte… – Sie sind nur Randfiguren. Statisten, Masse, Namenlose. Bald vergessen, im allgemeinen Schutt der Geschichte. Niemand kommt an, gegen den Mann mit der tapfersten aller Frage!
Man wird – davon bin ich überzeugt – Peter Brinkmann ein Denkmal setzen. 07/11/2009 Ehemalige Raucher sind die radikalsten Nichtraucher
Kein bisschen Qualm darf in deren Nähe kommen. Was auch logisch ist, weil philosophisch (von der These zur Antithese) und religiös (vom Saulus zum Paulos). Wahrscheinlich – denke ich heute in den Morgenstunden – rege ich mich neuerdings nur deshalb so sehr über Pleonasmen (“vorprogrammieren”, “aufoktruieren”, “Neuwahl”, “Haarfrisur”, “manuelle Handarbeit” …) auf, weil ich selbst einmal solche Vokabeln benutzte. Jedenfalls fand ich in einem meiner alten Texte das Wort “Vorgezeigt”. Doch erst jetzt schäme ich mich. 06/11/2009 Was für ein Landsmann sind sie eigentlich?
Ich bin Deutscher.
Heute habe ich Zeit. Viel Zeit. Ich kann ohnehin nicht weg und mir ist langweilig. Also erzähle ich geduldig, dass in meiner Erinnerung auch mein deutscher Großvater aussah, wie ich heute aussehe. Alte Fotografien dokumentieren Ähnlichkeit. Und da solches Aussehen seinerzeit, unter den Nazis, nicht sonderlich vorteilhaft war, trug mein Großvater (seinen|meinen|unseren) Stammbaum zusammen. Anhand der Kirchenregister. So kann ich also heute wissen, dass ein Strang meiner Vorfahren noch im 16. Jahrhundert in Thüringen ansässig war, ein anderer im Norden Deutschlands. Und alle, ohne Ausnahme, waren – großväterlicher Forschung folgend - Deutsche. Zumindest den amtlichen und kirchlichen Registern nach. Nun ist sie enttäuscht. Sie hatte wohl falsch getippt. Hat somit vielleicht im Klub eine Wette verloren. Vielleicht setzte sie zuvor ihre Jetons auf “Italiener” - Faites vos jeux! - und ihre Freundin auf “Grieche” - Rien ne va plus! - und sie haben nun verloren. Die Kugel trudelt auf ein weißes Feld. Er ist ein Deutscher. Doch plötzlich sehe ich einen Hoffnungsschimmer in ihren Augen.
Nun ist sie zufrieden. Wenigstens in dieser Frage lag sie richtig. Freudestrahlend will sie mir nun vermitteln, dass sie Ausländer im Allgemeinen und meine Frau im Besonderen mag. “Wissense - ich liebe nämlich die Russen!” Ich verwechselte den Einkaufswagen
In der Metro. Hielt den Wagen, der hinter mir stand, für den meinigen und legte Lachs hinein. Als ich es bemerkte, fuhr die Besitzerin des Wagens bereits zur Obstabteilung. “….tschuldigung”, sprach ich sie an, “ich habe den Lachs in ihren Wagen gelegt” “Oh. Danke schön!”, sagt sie - und fährt weiter. 05/11/2009 Genau zum Zeitpunkt des Gassigehens kommt ein Lampionumzug am Haus vorbei
Mit einer Kapelle vorweg.
Gassigehen wäre in solchem Augenblick sinnlos, ein Welpe weiß sich nicht zu verhalten. An der Leine hätte er sehr zum Ärger der Eltern und zur Freude der Kinder wahrscheinlich alles zerkläfft was eine Laterne trägt, und ohne Leine hätte er ebenfalls gelärmt, doch ich hätte ihn darüber hinaus nur schwer wieder einfangen können. Schöner Versuch – aber er blieb unvollendet. Ich nahm Asterix auf den Arm, ließ ihn etwas gucken, dann stiegen wir ein. Potsdam ist – dachte ich – auch eine Option. Aber auch hier, Am Stern, gibt es eine Parade mit Fanfaren, Kindern, Lampions und Tschingtarassabumm. - Was ist nur heute los? - Und, denke ich weiter, heute geht es dem Hund wie mir, wenn Freunde aus der Ukraine bei uns wohnen. Und wie es mir bei der Armee oft ging: Oft ist das Klo genau dann besetzt, wenn man es dringend nutzen muss. 04/11/2009 Vom Abend des 9. November 1989 weiß jeder der dabei war, was er tat
Ich – zum Beispiel - bin Checkpoint Charly rüber. Gemeinsam mit einer Ein freundlicher BMW-Fahrer lud uns in sein Auto ein, zeigte uns Berlin. Bis wir in einem Pulk tanzender Menschen stecken blieben und beschlossen, den Kudamm zu laufen. Doch sie kannte irgendwelche Leute aus dem letzten Urlaub, glaubte diese treffen zu können und wir trennten uns. Ich stand plötzlich vor der U-Bahn-Station Spichernstraße, stieg in einen Zug, fuhr bis Tiergarten, im festen Glauben, dort müsse was los sein (weil ich Blödmann den Tiergarten für Zoo hielt). Am Tiergarten war natürlich nichts los. So lief ich zum Brandenburger Tor. Hier halfen mir freundliche Leute auf die Mauer, auf der ich einige Zeit stehen blieb (weshalb ich heute auf einem historischen Foto zu sehen bin). Als ich müde wurde, sprang ich ostwärts, durchquerte, vorbei an Grenztruppen der DDR, das Brandenburger Tor und begab mich gegen 4:30 Uhr in mein Bett im Internat Charlottenstraße. Zu Fuß. Sonst war nichts passiert - Alles total normal. |
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