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    10/11/2009

    Es war vor hunderten von Jahren

     

    Zu Zeiten, da die Nordmänner Gardarike durchquerten.

    Zu jener Zeit lebte am Ufer des Dnipro ein Paar, welches sich den Unterhalt rechtschaffend erwirtschaftete. Nicht sonderlich viel kam zusammen, aber es reichte zum Leben.

    Nun geschah es hin und wieder, dass vorbeischippernde Krieger eines fremden Stammes am Ufer des breiten Flusses rasteten, sich bewirten ließen und in den Abendstunden am Lagerfeuer wundersame Geschichten erzählten. Zum Beispiel von Chortiza, jener Insel, die dem Wettergott Thor geweiht ist, von der fernen Stadt Byzantion, vor allem aber vom sagenhaften Reichtum jener Ernte, welch die Krieger jenes Stammes durch Handel und Beutezüge einfuhren.

    Das brave Weib saß immer wieder staunend am knisternden Lagerfeuer, hörte die Geschichten und gab durch interessiertes Nachfragen zu verstehen, dass auch sie – vom Wunsch beseelt, das eigene Einkommen aufzubessern – eine solche Reise unternehmen würde. Auch ihr Gatte zeigte sich im Prinzip einem solchen Unterfangen nicht abgeneigt.

    “Das könnt ihr wohl”, sagten eines Tages die Nordmänner, “nehmt einfach das gestrandete Boot, wir brauchen es nicht mehr. Schippert los!”

    “Prima Idee!”, sagte das Weib.

    “Es hat keine Segel”, sagte der Mann.

    Und überhaupt: Am Bug klaffte ein Riss, der Mast war gebrochen, das Steuer verklemmt und darüber hinaus fehlte ein Stück vom Heck.

    “Der Wille zählt!”, sagte das Weib.

    “Es hat keine Segel”, sagte der Mann.

    Da gab sie vor, auch allein zu reisen. Er, der ewige Pessimist, könne schließlich daheim bleiben.

    “Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!”, sagte das Weib.

    “Es hat keine Segel”, sagte der Mann.

    Als der brave Mann merkte, dass es ihr mit der Reise ernst war, und besorgt, ihr könne unterwegs etwas zustoßen, schloss er sich dem aus seiner Sicht aussichtslosen Unterfangen an. So schoben sie mit vereinten Kräften jenes Schiff ins Wasser, wo es etwas trieb, um schließlich auf der Stelle zu verharren. Mehr noch: Langsam füllte es sich mit Wasser, denn das Leck an Backbord hatten sie zuvor nicht bemerkt.

    “Tu endlich was!”, sagte das Weib.

    “Es hat keine Segel”, sagte der Mann.

    Und wenn sie nicht gestorben sind, treiben sie noch heute. Optimist und Pessimist im selben Boot.

    So dachte ich einst. Und hiermit schien das Posting beendet. Nun aber landet das Boot, ihr Hoffnungsträger, auf einer Sandbank. Hängt hier fest. Bewegt sich weder nach rechts, links, Luv oder Lee. Und auch nicht nach Back- oder Steuerbord.

    “Es hatte nie eine Chance, denn es hat keine Segel” sagt wieder der Mann.

    “Du hast Schuld”, sagt nun das Weib.

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