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03/11/2009 Die Lampe findet sie toll
Sie will eine solche unbedingt kaufen. Schon beim ersten Male als sie am Laden vorbei ging, sei ihr die Lampe ins Auge gesprungen und nun wolle sie sich selbst mit jener Leuchte ein Weihnachtsgeschenk machen. Ich bremse. “Eigentlich sind alle Lampen nur Dekoration!” So mein Einwand. Und weil nur Dekoration, ist das Deko-Material nicht kalkuliert. Daher habe ich auch keinen Preis zur Hand. - "Die Leuchten sind nicht für den Verkauf bestimmt." Hierauf erwiderte sie zahlreiche Sätze mit viel “unbedingt haben wollen” und “bitte”. Was mich schließlich weich kochte. “Na gut, ausnahmsweise…” Bezahlen könne sie sie aber nicht. Noch nicht. Sie lebt nämlich von der Stütze, von Hartz IV, und müsse daher immer erst auf den Ersten warten, auf das Datum der Amtsüberweisung. Sie hätte früher nie gedacht, dass sie einmal so sehr abrutschen werde, immerhin war sie einmal die Ehefrau eines Arztes, aber der habe sie zugunsten einer jüngeren fallen lassen, die Kinder sind nun aus dem Haus und nun hocke sie da. Hin und wieder macht sie die Garderobe im Schauspielhaus und die mache sie gern. Einmal habe sie sogar vom berühmten Malachow ein Autogramm bekommen. Mit der Inschrift “Für Elke”.
Aber neuerdings werde sie nicht mehr angefragt. Genau genommen seit zwei Jahren nicht mehr. Doch sie hat die kleine Rente, kombiniert mit der Stütze. Die - wie sie sagt - über Hartz IV nicht hinaus geht. Reicht gerade so. Fürs Nötigste. Aber die Lampe findet sie toll - “Die wird mein Weihnachten!” – Sie könne sich bereits gut vorstellen, wie die Lampe aussehen wird, in ihrer Leseecke. Und wie sie dann dasitzen wird, unter der Lampe, umzingelt von Büchern.
Sie setzt sich neben mich, sieht wie ich den Lieferschein hervorziehe, wie ich die Nun ist sie blass, kreideweiß, ich sehe Enttäuschung. Und sie tut mir leid - die Geschichte vom verdorbenen Weihnachtsfest. Aus mir heraus spricht plötzlich eine fremde Stimme: “…’tschuldigung. Kommafehler. Der wahre Preis ist 86,75 Euro” 28/10/2009 Eine normale Schwangerschaft dauert 267 Tage
Sie kann wenige Tage früher zu Ende sein, oder etwas später. Aber Durchschnitt bleibt Durchschnitt. Bei einem guten Produkt ist es ähnlich: Es reift für den Markt. Wird möglicherweise zuerst nur von denjenigen Leuten entdeckt, die es sich nicht leisten können. Oder von Leuten, denen es aus anderen Gründen nicht passt. Aber Qualität wird sich rumsprechen. Ein gutes Produkt wird nachgefragt. Immer. Die Idee, sich als Kunde seine Wohnhülse selbst gestalten zu können, ist einfach originär! Dies umgesetzt, kann uns zum Marktführer machen. Jedenfalls sind ihr 267 Tage plötzlich zu viel. Sie glaubt polken zu müssen, um die Geburt zu beschleunigen. Flyer wären vielleicht gut, ratschlagt sie, in die Briefkästen der Reichen geworfen. Doch “du willst doch keine Pizza verkaufen!”, gegenargumentiere ich. Oder – so der nächste Vorschlag – vielleicht ein Schlussverkauf, “Ab heute alles billiger…”. Plötzlich bin ich der Bremser. Weil ich weiß: Wir brauchen nur den langen Atem einer ruhigen Lunge. 27/10/2009 Es ist sehr gutes Design
- und das Material ist hervorragend verarbeitet. Wir sind begeistert. Mehr noch: Sie sind flexibel, ward uns versichert, und können Sonderwünsche erfüllen. Kurzfristig sogar. Eigentlich – überlege ich nun - haben sie alles, was vonnöten ist, um einen Markt aufzurollen. Bis auf die Marke. Aber das wiederum, so scheint es, wird zu unserer Aufgabe. 09/10/2009 Es ist immer das Unbestimmte, was rasend macht
“Klar werden wir weiter finanzieren!” Aber, liebe Freunde, wieviel und vor allem wann? Sie werden sich extra zusammensetzen und beraten, erfahre ich auf Nachfrage. Mehr nicht. Und stets folgt das verfluchte “Mach dir doch keine Sorgen!”. Richtig schlimm wird es erst - ahne ich nun - wenn sie auf die Idee kommen sollten, bestimmte Leistungen in der Ukraine zu bestellen. Weil es dort so hübsch billig ist. “Wir kennen einen Kompjuterschik, der macht das alles für 800 Dollar.” – Das Ergebnis wäre programmiert. Aber sie sind auch lernfähig. Inzwischen wissen sie: Wird es allzu dumm - - legt der Deutsche einfach auf. 06/10/2009 Ein ukrainischer Rotstift bewegt sich über eine deutsche Kalkulation
Es soll nun etwas gespart werden. Nach einigen teuren Telefonaten auf ein ukrainisches Handy (die im Übrigen sinnlos sind, weil sich fast jeder ukrainische Handyträger in der Lage fühlt, diverse Dinge gleichzeitig zu tun) schickte ich die ausführliche Kalkulation für die Implementierung von Modul 2. Darunter seien – so meine Erklärung – auch diejenigen Kosten, die für ein deutsches Geschäft unabdingbar seien. Soeben zurück: Die Korrekturwünsche. Wir sollen demnach – unter anderem - an der Steuer sparen. Dass es Finanzbeamte gäbe, mit denen man sich nicht einigen könne, kann ich doch wohl nicht ernsthaft glauben.
“Aber du hast es doch noch gar nicht versucht! Oder?” 02/10/2009 Ein Kunstwort wird nicht verstanden
Sie sind bereits alle - ohne Ausnahme - abgelehnt. Ich versuche es nun mit einem Kofferwort. "WOGE" könnte für "wohnen & gestalten" stehen. Aber das wäre (vielleicht|bestimmt) zu einfach. Andererseits... Kommt die Homepage, sollen Videos eingestellt werden. Und dort sollen - so habe ich es vor - gemeinsame Gedanken entwickelt werden. Mit all denen, die mitdenken wollen. Hierfür benötigt man aber ein Bezugssystem, grüble ich nun. El Lissitzky - glaube ich fast - wäre vielleicht ein guter Ansatz. Lasar Markowitsch war es, der mit seinem Stil die Gestaltung einer Zeit veränderte. Und er war derjenige, der geometrische Elemente in einen verständlichen Symbolismus verwandelte. "Proun" wäre somit ein schöner Name. Dieser bezöge sich auf Bildkompositionen aus geometrischen Figuren, die eine räumliche Wirkung auf zweidimensionalen Fläche erzielen. Als ausgebildeter Architekt sah El Lissitzky seine Arbeit als Interaktion zwischen Architektur und Malerei. Dies könnte man auf der Hompage - gemeinsam - weiterentwickeln, bis hin zur Kunst des Einrichtens. Wiedemauchsei: Lissitzky ist nun mein eBay-Nick. 25/09/2009 Babylonisches Sprachgewirr
Wir beweisen: Wer sich wirklich verstehen will, versteht sich auch! Polnisch, Ukrainisch, Russisch, Deutsch – jeder wie er mag. Es ist anstrengend. Aber es funktioniert ohne Dolmetscher. Was für ein Gleichnis für die Völker der Welt! 22/09/2009 Immer noch auf der Suche nach einem Namen, fällt mein Auge auf die Verpackung des Knäckebrotes
RUISNÄKKILEIPÄ steht geschrieben. Das ist wirklich ein guter Name! Diesen angebracht am Laden würde manchen Menschen animieren ihn versuchen auszusprechen. Und dann – wenn er es endlich sprechen kann – wird er fragen: “’tschuldigung, was heißt eigentlich Ruisnäkkileipä?”. Die Antwort ist: “Knäckebrot”. Weiter könnte er fragen, was “Knäckebrot” mit Design und Kommunikation zu tun hat, mit Garnituren, Möbel, Einrichtung, Atelier oder Studio und wird erfahren: “Nichts! Aber auch gar nichts. Es ist nur ein Name.” - It`s a big joke. Er wird den Spaß vielleicht weitertragen und wir werden vielleicht doch noch berühmt. 21/09/2009 Die Ruhe vor dem Sturm
…war gestern. Schöne Sonne – Babelsberger Park – Wasser – Erholung: Ein würdiges Timeout. Frau auf einer Decke, Asterix als Sputnik und jeder war irgendwie sinnvoll beschäftigt. Sie las Akunin, er rannte anderen Hunden hinterher und ich dachte ein bisschen vor mich hin. Für alle Lebenssituation – überlegte ich gestern - gibt es Sprüche, Gedichte, Anekdoten und Reime. Dergestalt dass es scheint, alles Leben sei bereits irgendwann gelebt wurden. Von irgendwelchen Vorfahren. Man sollte nun versuchen, es noch einmal zu leben - aber bewusster. Bewusster deshalb, weil wir das Leben kennen könnten. Das Gedicht, welches mir gestern zu unserer Situation einfiel, ist von Wilhelm Busch:
Jedenfalls geht es nun endlich los. Und: Heute wird es anstrengend. Oh Schweiß der Ämter! 19/09/2009 Wir hätte Platz für vier Garnituren
Mehr gibt der Laden nicht her. Zumindest wenn es gemütlich sein soll. Wenn man vernünftig Ware anbieten will. Doch sie schickten neun Garnituren, was alle Fläche in ein Möbellager verwandelt. So wie es in der Ukraine normal ist. In der Ukraine nimmt man Grundfläche des Raumes = Grundfläche der Waren – 1%. Und in dem verbleibenden Prozent soll sich der Kunde durchschieben, notfalls Ware übersteigend. Ich bemerkte es oft: Man quält sich in Kiew durch die Räumlichkeiten von “Furschet” oder “Welikia Kischenja”, ist froh wenn man wieder draußen ist, kauft daher nur das Nötigste, vergisst vielleicht die Hälfte, von dem was man eigentlich wollte. Fazit: Man würde deutlich mehr kaufen, wenn man flanieren könnte, wenn es ein bisschen so wie in Deutschland wäre… Witzig: Es ist bei uns inzwischen so voll, dass mehr als zwei Kunden nicht gleichzeitig in den Laden passen, sie würden nicht aneinander vorbei kommen. Dabei haben wir eine Garnitur noch im Lager und der Tisch für Verkaufsgespräche, inklusive Ablage ist noch gar nicht erst installiert. Am Mittwoch geht mindestens die Hälfte zurück. 17/09/2009 Anhand älterer Texte bemerke ich die Schnelllebigkeit der Zeit
Vieles hat sich bereits seit Juni geändert! Ukrainer waren einst angetreten, einfach nur Möbel zu verkaufen. Polnische Möbel für einen deutschen Markt. Was – wie mir noch im Juni schien – aussichtsloses Unterfangen ist, denn jede deutsche Großstadt ist bereits von Ikea, Porta, Möbel-Kraft, Multipolster und anderen besetzt. Von denjenigen, die aufgrund ihrer Größe jedem Hersteller die Preise diktieren können. Eine alte Sektwerbung slogante: “Eigentlich haben wir keine Chance. Nutzen wir sie” und das schien mir im Juni passend. Preislich wird man nicht konkurrieren können, hierfür sind wir Logiker genug. Man braucht also eine Idee. Und die kam uns, als wir in Familie an Weihnachten und nach langer Dabei besteht doch bei hochwertigen Produkten der Bedarf beim Kunden, mehr zu erfahren und vielleicht sogar auf das Produkt Einfluss zu nehmen. Wie früher, innerhalb der Community eines Dorfes. Wo jeder jeden kennt. Man geht dort beispielsweise zu einem Schreinermeister und sagt: “Kannst du mir bitte eines der Stuhlbeine kürzer machen, ich kipple so gern” – oder so ähnlich. Und jeder Dörfler weiß zugleich, der Meister hat zwei Söhne, von denen einer ein Taugenichts ist. Dem Produkt eine Seele geben, nenne ich solche Wissensvermittlung. Ent-entfremden wäre sicher das bessere Wort. Doch vorerst bleibt es natürlich unverständlich. 16/09/2009 Eine Firma mit ukrainischen Partnern wird in Deutschland nicht sonderlich ernst genommen
Verständlicherweise. Man kann sie schließlich nicht via Bürgel, CR oder Schufa beschnüffeln. Überwachung hat ihre Grenzen. Alles andere ist ebenfalls unverständlich: Ukrainer mit Geld und einer – wie ich finde - genialen Idee. Daher verlangt der Vermieter das Mehrfache von dem, was in Deutschland üblich ist - 12 Warm(!)mieten Kaution für 14 Mietmonate, was sofort zu hinterlegen ist. Zur Sicherheit. Heute gleich mitbringen. Bar. Und der sonstige Mietvertrag sieht aus wie ein Käse-Igel: Vollgespickt mit Ausstiegsklauseln und Sonderregelungen. Vermutlich – so denke ich heute - ist er auch der Versuch eines Jungjuristen, sich innerhalb einer Firma zu profilieren. Dort haben sie – wird uns erklärt – bereits schlechte Erfahrungen machen müssen. Sie brauchen daher unbedingt – sagt man uns – Sicherheit. Oh Gott! Wenn jeder Mensch, der einmal schlechte Erfahrungen gemacht hat, von da an nur noch mit Knüppel durch die Straßen laufen würde – was hätten wir für ein Stadtbild! Und Verträge sind besondere Knüppel. Sie sind unsichtbar und sollen stets inoffiziell bleiben. Daher auch die verquasten Formulierungen, bei denen man die Sätze erst vom Deutschen ins Deutsche übersetzen muss. Doch sie hat sich dennoch entschlossen, heute den Vertrag zu unterzeichnen. 10/02/2009 Ein Freund hat eine Geschäftsidee
Und in der Tschechischen Republik – behauptet er – würde es bereits funktionieren. Sie ist begeistert. “Klasse!” - “Super Idee!” - “Machen wir auch!” Ich halte dagegen, dass die zusätzliche Marge (von welcher jenes extrem wackelige Geschäftsmodell ausgeht) durch die Vielzahl der Beteiligten aufgefressen werden wird, denn jeder der involviert ist, will doch verdienen.
Abgehakt, denke ich. Erledigt. Die Argumente sind formuliert. WELCH IRRTUM! Plötzlich steht sie im Arbeitszimmer und fragt: “Wann fangen wir an?” - “Womit?” - “Mit dem Geschäft!” - “Aber ich sagte doch bereits: Es ist Quatsch. Oderetwanich?” - “Ja, doch aber nur, weil du deinen Hintern nicht aus dem Sessel heben willst. Erinnerst du dich eigentlich noch an Oleg? Der war einst sooo arm, und nun ist er reich. Weil er sich bewegte. Und einen Computer brauchte Oleg nie”. Nun merke ich, dass ich mich auf das heranziehende Ge Gottseidank fallen mir noch zwei, drei weitere sachliche Argumente DAGEGEN ein und die trage ich vor. In Ritter-Sport-Manier: Sachlich - Ruhig – Nett. Sie scheint auch für einen Moment einsichtig, - bis ihr das zentrale Totschlagargument einfällt: ABER DU HAST ES DOCH NOCH NIE PROBIERT! Im Bruchteil einer tausendstel Sekunde bin ich auf Hundertachtzig. Die Idee ist schon an sich Nun schleudere ich verbale Zornesblitze in Richtung Ehefrau. Eine erregt-argumentierende Stalinorgel geht auf ihre Stellung nieder. Eine Nadel ist in meiner Hand, die ihre Luftballons platzen lässt: “Erstens…, zweitens…, drittens…”. Mein Blutdruck steigt, - sie reagiert: NA GUT, – DANN MACHE ICH ES ALLEINE! Inzwischen ist das mir schnurz, - Hauptsache ich bin raus. Ob sie sich blamiert oder nicht scheint inzwischen nebensächlich. Soll sie doch! “Hähä”, höhne ich in mich hinein. Doch der Deckel ist vom Topf, das Wasser köchelt nur noch. “Mach, was du nicht lassen kannst…” GUT. UND WANN HAST DU ZEIT? Sie bräuchte – entnehme ich der nun folgenden Erklärung – jemanden, der ihr bei dem nun anstehenden Alleingang zur Seite steht. Der ihr die entsprechenden allein vorgetragenen Worte übersetzt. Lediglich die Wahl ihres Begleiters falle auf mich (wahrscheinlich nur, weil ich Deutsch kann), alles andere könne sie allein. Wie bitte? - Ach so! - Ohr nee, - welch Rückschlag, denn auf die WANN-HAST-DU-ZEIT-Frage fällt mir nichts Sinnvolles ein. Zumindest kein Argument. Werde ratlos. “Iiich?”, stammle ich daher nur. Und ergänze: “Wieso soll ich denn im Boot bleiben? Sagtest du nicht, dass du allein…?” Nach etwa einer Minute kommt meine Fassung zurück. Jetzt – so begreife ich die neue Situation - hilft offenbar nur klare Ansage. Kurzundknapp. “Nein”, sage ich resolut, “ICH stehe nicht zur Verfügung!”. Und die Frage nach dem Warum schmettere ich mit dem Halbsatz “weil es eine blöde Idee ist” ab. Und von nun an schweige ich. Nun ist sie es, die sich hochspult. Alles bisher Gesagte wird plötzlich fehlgedeutet. Absichtlich, - vermute ich. Da ich mich nicht mehr an der Auseinandersetzung beteilige, da ich schweige, nörgelt sie allein durch die Wohnung, und spricht mit Irgendwen-Ichweissnichtwen: “… - Sagt der doch, ich bin blöd! - Noch nicht einmal probieren will der! – Jetzt ist doch die Zeit, in welcher man sich bewegen muss, aber deher, - …”. Sie läuft zornig von Zimmer zu Zimmer und irgendwann knallt die Wohnungstür. - R U H E -
Vielleicht habe ich nur im Prinzip recht – frage ich mich nun – und lediglich die Methode der Kommunikation war falsch. Was ist schon dabei – denke ich weiter – wenn wir uns gemeinsam blamieren? Sieht ja keiner. Man kennt uns nicht und wird uns wohl danach rasch wieder vergessen. Der Weg ist das Ziel, egal ob man das Ergebnis vorher kennt oder nicht. Wir würden gemeinsam etwas unternehmen, und zwar mit stärkerer Betonung auf dem Wort “gemeinsam” als auf “unternehmen”. Plötzlich fällt mir - nicht zu diesem Thema gehörend - ein, dass in meiner ersten Ehe – vor vielen hundert Jahren – solche Situationen gewöhnlich spiegelverdreht endeten: Ich war damals derjenige, der in kritischen Situationen, also bei Streit, die Tür bumste (und der dann in eine Kneipe zog). Hinterher wieder zurückzukommen – weiß ich daher – ist auch ziemlich schwer… - doch halt! In eine Kneipe wird sie ja wohl nicht gegangen sein. Und zu einer Freundin kann sie nicht, von denen ist gerade niemand in Potsdam… Egal – denke ich jetzt – wenn sie wieder zurück ist, mache ich ein Zugeständnis. Irgendeins. Auch wenn es sinnlos ist. Besser gemeinsam untergehen, als einsam sterben. Der Weg ist das Ziel. Du wiederholst Dich! Ja, verfluchtnochmal! Der Weg ist das Ziel. Besseres fällt mir im Augenblick nicht ein und diesbezüglich wiederhole ich mich gern. Der Weg ist das Ziel. Der Weg… (Fortsetzung folgt) 25/08/2008 Der Businessplan ist fertig
Er guckt nur noch einmal “drüber”. Wieder und immer wieder liest er “nach”. Kein Flüchtigkeitsfehler soll den schönen Plan trüben, denn nun hat er endlich seinen Lottoschein. Die Ziehung ist zwar erst nächsten Mittwoch, doch im Jackpot hat sich Einiges angesammelt. Wenig später kramt er Sekundärliteratur hervor. Mit Textmarker geht es nun an die wichtigsten Stellen.
It’s Vorfreude. 01/05/2008 Es sitzt ein Angler angelnd am Teich
Plötzlich kommt ein Wanderer des Weges daher.
Worauf der Angler wütend seine Sachen zusammenpackt.
Jedenfalls hatten wir gestern wieder einmal unangemeldet Besuch. Irgendein Kolja kam aufgrund irgendeiner Empfehlung über irgendeine der vielen Ecken der in Deutschland lebenden slawischen Community, packte eine Pulle Wodka auf den Tisch, und fing an, mir ein Geschäft vorzuschlagen. Und während mein neuer Freund erzählte, sah ich Luftballons in den Himmel steigen - schöne, bunte Luftballons. Doch nach dem dritten Glas hielt ich es nicht mehr aus, nahm eine Nadel aus der virtuellen Tasche und brachte einen Ballon nach dem anderen zum Platzen: - peng! - peng! - peng! Weshalb mein "Sobesednik" seinen virtuellen Geschäftsplan einpackte und von dannen schritt. Wütend, wie sich erraten lässt. Ich war wohl der Wanderer, der den Tag verdirbt. 05/03/2008 Business is like chess.
To be successful, you must anticipate several moves in advance. Dieser Spruch ist nicht von mir. Ich mag solche Sprüche. Sie sind ein gutes Gleichnis für wirkliches Leben. Business lässt sich in der Tat gut mit einem Schachspiel zu vergleichen: Man hat die Figuren aufgebaut, spielt - vielleicht - eine skandinavische Eröffnung, strebt also vom ersten Zug an nach einer Öffnung der Situation im Zentrum, nimmt hierfür den Nachteil in Kauf, dass Weiß entweder an Tempo gewinnt oder sich ein starkes Bauernzentrum aufbaut, je nachdem, ob der Bauer gleich mit der Dame genommen wird oder nicht. Hofft auf das Überraschungsmoment.... Da kommt eine Wanderin des Weges daher. "Was wäre eigentlich", schlägt sie vor, "wenn du ein bisschen den Läufer ziehst. Oder - Oder - Mach einfach die Dame frei, damit sie sich besser bewegen kann. Und schütze deinen König...."
In solchen Momenten ist mir lieber, business wäre like Wasserball, Skispringen oder Boxen. Sie hätte mehr Respekt. 26/10/2007 Ich habe inzwischen keine Lust mehr, Konzepte zu schreiben
Obwohl: Sie sind nötig. Zugleich bin ich mir aber auch sicher, dass sie nie vollständig gelesen werden. Gestern wagte ich ein Experiment. Auf der Seite 69 mogelte ich Sätze ein, die da nicht hineingehören.
Auffallen würde bestenfalls die Veränderung vom Schriftbild, ansonsten scheint zur Vorlage eine gut gegliederte Gliederung zu genügen. Plötzlich bin ich deprimiert. Da kommt "Mir ist so langweilig", sage ich nur, weil ich dieses Thema nicht vertiefen will. Sie weiß Rat: "Wenn dir schon langweilig ist, dann schreib doch einfach zwischendurch eine Dissertation" 22/07/2006 A vision is a dream with a deadline
Dieser Satz gefällt mir. Ist aber nicht von mir. Er stammt aus einer Malik-Kolumne eines Managerjournals aus dem Jahre 2003, in welcher ungenannt „ein befreundeter Professor einer angesehenen Universität“ zitiert wird. Es ist noch gar nicht so lange her, da stand im Duden unter der Eintragung "Vision" nur: "Gesichts- oder Sinnestäuschung", "optische Halluzination" und "übernatürliche Erscheinung als religiöse Erfahrung". Erst später - in den Neunzigern - wurde hinzugefügt: "jemandes Vorstellung, besonders in Bezug auf die Zukunft entworfenes Bild". Die im Management verwendete Bedeutung von "Vision" ist sprachlich jung und sie hat der Professionalität von Management nicht immer gedient. Was hier und da unter dem hochtrabenden Begriff der "Vision" entstanden war, hat sich mitunter auf dem Neuen Markt als (Luftschloss|Kartenhaus) erwiesen. Wenn man sich es aber richtig überlegt, ist obiger Satz eigentlich Quatsch, obwohl er - wie ich gern zuzugegeben bereit bin - gut klingt. Jeder Traum hat seine Deadline - spätestens dann, wenn der Wecker klingelt. Zum Glück auch jeder Albtraum. 30/07/2005 Das Verkaufsprospekt für die Pelze gestaltete ich
Wie auch die Visitenkarten und das Logo. Vorab hatten wir grob gerechnet: Einkaufspreis + Transport + Kommunikation +... - aber Ihr kennt das ja. Gestern nun sind die Frauen losgezogen, um die Nachfrage zu testen - was zu meiner Überraschung mit positivem Ergebnis endete. Wenn man bedenkt dass sie keine Vertriebserfahrung haben, war dies mehr, als zu erwarten war. Mehr noch: Nach der durch Pelzschützer verursachten Unruhe und dem damit verbundenen Rückgang des Pelzhandels scheint sich dieser Markt jetzt zu erholen. Viele reiche Ukrainer kaufen derzeit Pelze in Berlin und die Nachfrage übersteigt derzeit sogar das Angebot. Witzig ist, dass für den Verkaufserfolg ein hoher Preis Voraussetzung zu seien scheint. Sagte doch eine Verkäuferin: "6.000 Euro? - So etwas muss man für 12.000 Euro anbieten, sonst glaubt uns keiner, dass das gute Qualität ist!" Jedenfalls wollen die Mädels nun Muster aus der Ukraine holen. 03/07/2005 Über den Inneren Kreis ist ein absolutes Redeverbot verhängt
Ich darf nicht erzählen mit wem ich mich getroffen habe. Und worum es ging, und überhaupt: ALLES GEHEIM! Nur so viel: Geheimverhandlungen finden immer in Saunen statt, in einem eigens hierfür abgesperrten Bereich. Wenn also jemand mal mit Ukrainern geschäftlich zu tun haben sollte und von ihnen in eine Sauna eingeladen wird: Unbedingt diese Einladung annehmen, denn das ist ein Ritterschlag und zugleich der Indikator für einen bevorstehenden Erfolg. Es ist im Übrigen erstaunlich, was so eine kleine Leber aushalten kann, wenn man zwischen den Trinkereien ab und zu eine Saunakabine aufsucht (und|oder) im Pool schwimmt. Es geht danach immer noch was rein und man wird – so scheint es – nicht betrunken. Zum Glück brauchte ich nichts zu bezahlen, wie überhaupt keiner was bezahlen mußte. Wahrscheinlich haben sich die Genossen vom Politbüro unter Lenin so den Kommunismus vorgestellt: Alles ist reichlich vorhanden, braucht nur abgerufen zu werden und kostet nix! Natürlich bin ich in ein Fettnäpfchen getrampelt, aber das nur so am Rande. Ich hatte nämlich irrtümlicherweise vermutet, dass mit Badehosen bekleideten Saunagänger in den alten Russenfilmen die Erfindung einer prüden Filmindustrie seien. - Aber weit gefehlt! Doch wer einen Fehler machte, sollte diesen auch bis zum Ende durchziehen. So ergab es sich, dass ich der einzige Nackte unter fünf Saunagängern war. Doch ich blieb es eisern. Alles war reichlich: Obst, Gemüse, Essen und Wodka, dennoch waren die Herren sauer. Irgendjemand hatte vergessen die Fernbedienungen der Fernseher bereitzulegen. Armes Personal, die bekommen sicher noch was zu hören! |
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