| Andreas's profileGedankenjournalPhotosBlogLists | Help |
Ist Baden-Baden eigentlich weit?
Nicht unbedingt. Ist man in Karlsruhe, ist man in der Nähe. Was auch für Strasbourg gilt. Oder Stuttgart. Und von Potsdam sind es 700 Kilometer, was auch nicht unbedingt weit sein muss, denn Moskau ist noch viel-viel weiter. Weit ist relativ – das erleben wir seit dem Beginn der Eroberung des Kosmos. Es gibt immer etwas, das weiter ist. Nun fehlt mir die Überleitung. Bin offenbar noch zu müde für das Formulieren erlebter Gags. Jedenfalls fanden wir – endlich! - nach langem Suchen, welches auch Belgien und Holland einbezog, das richtige Auto in – TÖRRRÖ! – Potsdam, in einem Stadtteil, den man vom Basislager der ukrainischen Expedition auch locker zu Fuß erreichen kann. Feilschen ist nicht mein Ding, ich bin nur der Übersetzer. Aber die Pfiffigkeit der Verhandlungspartner macht mich staunen:
Es folgte 4., 5. und den Verkäufer gab nach. Jedem Argumenten der Ukrainer folgend. Und bei einer bestimmten Summe angekommen sah einer der Ukrainer in seine Tasche und sagte:
Wieder tappt der Verkäufer in die Falle.
Man einigte sich schließlich auf den Betrag, den die Ukrainer dabei haben. Am Ende der Verhandlung verstehe ich plötzlich die Legende von den billigen Autos in Deutschland. Es gilt für die Übereignung zwar das gesprochene Wort, doch der Betrag auf dem Papier entspricht der Hälfte des ausgehandelten. Was dem einem hilft, die Umsatzsteuer zu senken, den anderen bessere Optionen bei Einfuhr in die Ukraine ermöglicht. Wenn sie erst am Grenzübergang in der Warteschlange stehen, werden sie ihr Papier zücken und den anderen wartenden Grenzgängern schwören, dass sie ihr Auto exakt zu dem Preis gekauft haben, der im Kaufvertrag steht. Man wird sie um das Schnäppchen beneiden. Sie bleiben immer noch bei uns wohnen
Weil sie bisher kein geeignetes Auto fanden. Unsere Ukrainer suchen immer noch ein Fahrzeug welches wenig kostet, zugleich aber mit allem möglichen Schnickschnack ausgestattet ist. Heute wollen sie nach Leipzig. Zwischenzeitlich - Samstag und Sonntag - waren meine Frau und ich bei einem Freund, dessen Geburtstag feiern. An der Ostsee. Hinterließen unseren Gästen die Schlüssel unserer Potsdamer Wohnung für ein Timeout. Was wir genossen. Inzwischen sind wir zurück, aber nicht mehr Herr der Fernbedienung. Und der Fernseher läuft - wie dortzulande üblich - rund um die Uhr. Wir brüllen Witze. Gestern blieben sie sitzen und zappten durch die Kanäle, auch durch die deutschen. Bis nach Mitternacht. Nur um zu erfahren, was wir längst schon wussten: Janukowitsch hat die ukrainische Wahl gewonnen. “Was soll’s”, so ein Kommentar heute, “werden wir uns also mit Russland anfreunden müssen…”. Wie immer. Vielleicht stimmt es ja doch: Jedes Volk hat diejenige Regierung, die es verdient. Asche zu Asche, Staub zu Staub. Herzschrittmacher ohne Rocco
So meine erste Idee zu dem, was wir von der Bühne kommend sahen. Später – im Laufe des Abends - fand ich diese Musik cool. Zum Geburtstag eines Freundes spielte die Blue Wonder Jazzband aus Dresden wunderschönen Dixieland. Sie sind wie immer, erfahre ich, seit 1975, in unveränderter Besetzung. Und beeindruckend, sicher im Time Keeping, beherrschen Call and Response. In den Ragtime-Breaks hören wir gekonntes Klavierspiel. Geil! So erinnerte ich mich an eine Zeile aus “JAZZ” von Volker Braun.
Kriegte aber nicht viel mehr aus dem Gedächtnis gekramt. Später nur noch:
Heute kann ich nachlesen. Finde das Gedicht in der Werksausgabe, Band 1, Seite 60. Freue mich über Worte:
Oder – denke ich plötzlich – vielleicht doch nicht so, sondern anders besser?
Aber ich habe kein Recht zu solcher Kritik, ich bin kein Schriftsteller. Musizieren kann ich übrigens auch nicht. Seemannsgarn, Jäger- und Anglerlatein sind gängige Formulierungen, um Übertreibungen darzustellen
Was alles zusammengenommen nichts ist gegen das Latein, in welchem Ukrainer kommunizieren, wenn sie an einem Grenzübergang auf Abfertigung warten. Jeder kennt viele der sonderbaren Geschichten aus Deutschland, insbesondere die den billigen Autos dort. Kaum hat ein Ukrainer sein Auto zu einem Spottpreis gekauft, kommt ein anderer des Weges daher, der ein ähnliches Auto viel-viel-viel billiger erwarb. Entsprechend sind die Vorstellungen von Deutschland als Schlaraffenautoland. Oder besser: Autoschlaraffenland. Entsprechend groß sind die Enttäuschungen, wenn Vorstellungen auf Angebote treffen. Zum Beispiel auf mobile.de. Ich soll wieder einmal feilschen. Weil ich so schön deutsch kann.
So werde ich bereits bei der Einleitung gestoppt, umgeleitet, breche ab - “`tschuldigung. Ich melde mich gleich noch einmal.” - und reagiere zornig:
Wie finden den Text.
Na supi!
So die Hoffnung der Gäste. Was ich ihnen in solcher Situation rate. Sofort leuchtet meine rote Alarmlampe, die innere Rundumleuchte. Nur nicht mitverantwortlich sein! Wenn sich das Auto wirklich als Schrott erweist, kriege ich einen entsprechenden Rat noch jahrzehntelang vor den Latz geknallt. Andererseits: Wenn sie nie riskieren, werden sie auch nicht an ein billiges Auto kommen.
Jeder behauptet seine Position. Ich lege mich nicht fest und die Ukrainer bleiben fragend. “Sollen wir kaufen oder nicht?” Remis. Gestern tranken wir Wodka
Wieder ist die Potsdamer Bude voll, wieder bin ich von ukrainischen Freunden umzingelt, wieder ist das Klo ständig besetzt, der Fernseher an, rundumdieuhr. Wir sind laut, versuchen das russische TV-Programm zu übertönen. Mit ofterzählten Witzen. Ja - Ich gab mir die Kante. Kollektivismus und Wodka bilden eine dialektische Einheit. Das Eine geht ohne das Andere nicht. Und umgedreht. Heute früh, da ich überraschend ein Bier im Kühlschrank entdeckte, - da war ich froh. Sie sind Diebe
Und sie haben geklaut, dass die Die Beute boten sie einer deutschen Regierung an, die ihrerseits hocherfreut die Geldbörse zückt. 2,5 Millionen Euro ist man für Diebesgut zu zahlen bereit! In einer gestrigen Fernsehshow diskutierten Experten die Frage, wie diese anstehenden Ausgaben zu verbuchen seien. Einigten sich schließlich auf “Beraterleistung”. Und alles sei legal, sollen die Bürger lernen. Dabei praktiziert die deutsche Regierung derzeit einen Deal, für den jeder Mitbürger von deutschen Gerichten bestraft werden sollte. Offenbar vergisst man oben die Moral und deutsche Rechtsgeschichte.
Es sind inzwischen ukrainische Verhältnisse – Wir sind Grenzland! Schräg vor mir fährt ein LKW
Von dessen Dach sich ein Eisklumpen löst. Welcher mir entgegen fliegt. Sekunden vergehen und - BUMM! - knallt er aufs Dach. Es ist tatsächlich wie in den Filmen: Plötzlich hat man das Gefühl, der Rest des Lebens findet in Zeitlupe statt. Der Flug des Eises – eine gefühlte Ewigkeit. Hinterher (es ist im Übrigen nichts passiert) mussten wir über unsere Reflexe schmunzeln: So zogen wir beide den Kopf ein - - so, als hätte es etwas nützen können. Lebensalter verhält sich direkt proportional zu Toleranz
Es sind quotientengleiche Größen. Ja älter man wird, desto toleranter wird man. Und großzügiger. Spendabler. Besser. Freudl... Danke Mir! Aber die Vokabel “Toleranz” genügt, um die Ergebnisse eines Selbstversuches zu beschreiben. Jedenfalls steht gegen 3:00 Uhr die beknackte Töle unerwartet am Bett, zupft, leckt - will gassi.
Zumindest hätte ich erst einmal den Hund durchgeschüttelt, damit er kapiert: ICH BIN NACHTS NICHT ZUSTÄNDIG! Hätte dabei (vielleicht|bestimmt) etwas Lärm gemacht - rücksichtslos natürlich! – damit auch sie wach wird. - “Dein Hund nervt!” - Anschließend hätte ich uns ihr Fehlverhalten ausführlich erläutert: “Wenn du dich nicht bequemst abends mit deinem Hund noch eine Runde zu laufen, werden wir nachts nicht schlafen!” Ich wäre natürlich auch mit dem im Recht, was im Weiteren an Kommentar folgen würde, wäre ich jünger. Denn wenn man nicht bereit ist, umfassend, also auch nachts, Verantwortung zu übernehmen, kann man sich keinen Hund schenken lassen! Auch oder vor allem nicht, wenn man eine Frau ist. Doch heute schleiche ich mich – tolerant wie ich wurde - aus dem Schlafzimmer - “Asti komm!” – gehe mit dem Hund tippel-tappel-leise vor die Tür, raus aus dem windgeschützten Haus, hinein in eine bitter-bitter-kalte Natur - und freue mich dabei auch noch, dass sie nicht wach geworden ist. Wie war es unten? – ruft sie aus dem warmen Bett
Langsam könnte es wirklich wärmer werden. Mistwetter, verfluchtes! Asterix war auch schon krank – eine Erkältung. Was ihr Gelegenheit gab, die Wirkung einige ihrer Pillen an dem Hund zu testen. Das Viertel eines Aspritschiks und eine halbe Kohletablette mischte sie ins Hundefutter. Präventiv übrigens, denn des Hundes Stuhl war bis dahin normal. *seufz* Inzwischen ist Asterix wieder gesund. Trotzdestonichts. Verkrümelt sich nun zurück ins Körbchen und ich latsche ins Arbeitszimmer, die Post zu scannen. Werde fündig. “Bitte frankieren” steht auf dem Umschlag zum Antwortbrief an die “Gebühreneinzugszentrale-Teilnehmerbetreuung”. Der Satz, den ich bereits eingangs sagte, kommt wieder hoch:
Die selben Worte haben nun eine andere Bedeutung, denn die GEZ vermutet offenbar in jedem, der ein Geschäft eröffnet, zugleich auch einen Radiobetreiber, einen Fernseher (und|oder) Nutzer eines “neuartigen Gerätes”. So, als hätte man bei einem Startup vor lauter Langeweile nicht viel mehr zu tun, als sich zu ARD oder ZDF in die erste Reihe zu setzen. Man ist – entnehme ich der Mahnung – sogar gesetzlich verpflichtet, Geräte anzumelden. Zuwiderhandlungen sind solche Ordnungswidrigkeiten, die mit einem Bußgeld bis 1.000 Euro geahndet werden können. “Eigentlich ist alles in Ordnung”, denke ich kurz. Wir haben nichts und bräuchten somit nichts zu melden. Doch ahne ich gleichwohl, dass die jüngste Rechtsgeschichte einige Grundprinzipien des Rechts aufweichte, sie nun verdreht. Und dass die GEZ, vermute ich weiter, von widrig Klingendem, Ungereimtem, Unpassendem, Sinnlosem oder sonstig Ähnlichem nichts wissen will, wenn es ihr nicht in den Kram passt.
Gegenüber der GEZ gilt somit nur Gegenteil beweisen oder zahlen. Der Claim “Schon GEZahlt?” wirkt inzwischen wie der Ruf eines Wegelagerers. Wenn es doch wenigstens wie bei Robin Hood wäre! Aber nee – wir zahlen für Frau Pilcher ebenso, wie für Rote Rosen, Lindenstraße oder anderen Schrutz. *seufz* Ach übrigens: Auch der Beweis, dass wir nichts haben, kostet Geld. Denn wenn wir nicht frankieren, kommt der Beweis nicht an. Ratz-fatz war meine schöne Zeit vertrödelt
Nun ist bereits Mitternacht. Anlass zum Stöbern war der Tag der Dissertation Mendelejews (31.1.1865 – julianisch? oder gregorianisch?) zum Thema “Über die Vereinigung von Spiritus und Wasser” und all die Zweifel, die sich beim Wodka-Lesen ergaben. Unklar ist, “ob der Chemiker und Entwickler des Periodensystems Dimitri Mendelejew auch wirklich der Erfinder des modernen Wodka ist. Bekannt ist, dass er die Maßeinheit Gramm für Wodka einführte. 100 Gramm fasst die sogenannte Stopka, das traditionelle russische Wodkaglas…” Man polkt, denkt nach, polkt erneut, liest und verzettelt sich. Zwischenzeitlich wurde es sogar spannend: Die Hypothese, dass das Wodkarezept den Woten entsprungen sei, dass Wodka sozusagen auf Russisch “Wotentrunk” bedeuten könnte, kannte ich nicht. Aber hierzu fand ich nur einen Artikel - - und keinen Beweis. Am 31. Januar 1865 verteidigte Mendelejew seine Doktorarbeit am Technologischen Institut Sankt Petersburg
Genau heute, vor 145 Jahren. Der Inhalt seiner Dissertation – “Über die Verbindung von Alkohol mit Wasser” - leistete im Weiteren einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Qualität des russischen Wodkas. So entsprechen heute noch die Bestandteile der Wodkaproduktion wie auch der Alkoholgehalt dem Konzept Mendelejews. Insider feiern daher heute – wie an jedem anderen 31. Januar – den Geburtstag des Wodkas. С праздником, россияне! Vielleicht haben die Russen den Ur-Wodka nicht erfunden, wohl aber das Trinken in ritualisierter Form. Und in Ergänzung hierzu, sind sie Erfinder schöner Trinksprüche. So geschah es, dass auf der Buxtehuder Heide der Igel den Hasen zu Tode gelaufen hatte
Oder im Original:
An dieser Stelle nehme ich einen Stift und ergänze:
Und nicht nur wir! Jedes Volk hat seine Igel. In der Ukraine und in Russland werden ihnen Denkmale gesetzt.
Die List der Igel – ICH BIN SCHON DA! – macht uns schmunzeln. So sehr, dass wir die Fabel illustrieren, verfilmen oder unserem Nachwuchs als Gute-Nacht-Geschichte vortragen. Als reduzierte Lebensweisheit. Unsere Kinder lernen: Nur nie Hase sein, denn das Hasesein ist eine sehr dumme Angelegenheit. Im Übrigen gibt es überall Momente, da man unfreiwillig Hase wird. Sogar ohne vorangegangene Wette. Zufällig. Was ebenfalls nicht sonderlich erfreulich ist. Hier ein Beispiel: Plötzlich hatte ich eine Idee, entrümpelte Rumpelstilzchen in der deutschsprachigen Wikipedia von allerlei pseudowissenschaftlicher Interpretation, reduzierte die Kernaussage, fand – so denke ich – den eigentlichen Claim und notierte:
Ich dacht, das wäre von mir. Doch plötzlich wandelt sich meine Wikipedia zum Buxtehuder Feld, zumindest der englischsprachige Teil. Hierin findet man unter “Rumpelstiltskin”:
Ohr nee! Das hat Euch der Teufel gesagt! Eigentlich war es doch von mir, doch der Igel ist – wie so oft - schon da. Rumpelstiltskin wurde wütend and never came back. Um der Menschheit wenigstens eine Kleinigkeit zu hinterlassen, drehe ich nun den Gedanken um:
Vielleicht kann ich noch etwas an der Formulierung feilen, aber diese Aussage ist richtig und basiert auf Erfahrung. Als mein Schwiegervater seinerzeit plötzlich die Gänsen der Wassilkiwer Datsche dergestalt vermenschlichte, dass er ihnen Vor- und Vatersnamen gab - sie sozusagen "falsch" benannte - konnte er sie von diesem Zeitpunkt an nicht mehr schlachten. Doch – schade-schade! - auch hierzu gibt es eine zugehörige deutsche Geschichte: Die von der Weihnachtsgans Auguste, getextet von Friedrich Wolf. Egal was man denkt – Alles scheint bereits gedacht. Der Tod verhinderte oft weiterführende Gedanken
So auch der Tod Schopenhauers. Und es ist Christian Martin Julius Frauenstädt zu verdanken, dass wenigstens ein Teil aus Schopenhauers Nachlass publiziert wurde. Dieser Teil hat es aber in sich: “Eristische Dialektik – Die Kunst, Recht zu behalten”. Dies heute lesend fühle ich mich plötzlich zwanzig Jahre zurück und an den Tisch eines zänkischen Mannes zurückbeordert. In längst Aber auch derjenige kannte sie, der Schopenhauer nicht kannte.
Schopenhauer war ein kluger Mann und starb zu früh. Was in dessen Nachlass steht, hatte ich einst zu erleiden. Auf dem Weg zur Wasserstelle trifft der Ochs den Stier
Man müsse ein Hausdurchsuchung machen, sagt die Polizistin
Und auch den Computer müsse man sich unbedingt ansehen, die Festplatte untersuchen. Was der Rechner für ein Passwort hat, will die Polizistin von der Mutter des Opfers wissen. Doch die hat keine Ahnung, weil sie stets das Privatleben ihrer Tochter respektiert. Ein Polizist ist pfiffig: “Versuche es doch einmal mit einem Geburtsdatum oder mit dem Namen einer Band”, ratschlagt er. Gute Idee! Ratz-fatz ist das Passwort geknackt, der Rechner fährt hoch und… Regieanweisung: Trommelwirbel! …und es ertönt der Sound eines startenden Mac, auf dem Monitor erscheint die Windows-Vista-Startseite. “Das ist total lustig!”, stelle ich fest und überlege zugleich, ob dies als Insidergag geplant, es sich um das Versehen eines Praktikanten handelt, das Geräusch-Archiv der Produktionsfirma unzureichend beschriftet ist oder ein Tontechniker sich rächen wollte. Doch noch bevor ich mich entscheiden kann, höre ich ihre Worte:
Sie reißt mich aus einer Gedankenwelt. Holt mich zurück ins Leben. Ich versuche mein Schmunzeln zu erklären, finde einige Sätze mit viel Mac und etwas Windows garniert.
Sie versteht, bleibt aber ratlos.
Nun bin ich es, der sich nicht sicher ist. Zumindest heute scheint mein Humor ein anderer zu sein. Innerer Antrieb beschränkt die Geschwindigkeit auf 80 km/h
Instinkt stimmt dem zu - Es ist viel zu glatt. Auch auf der Autobahn. Andererseits Rebellion – Geht es wirklich nicht schneller? Bald sind wir auf der Höhe eines Unfalls. Und bleiben langsam. Sicher ist besser. Es ist nun der Zeitpunkt, da Schmidt sich stellt
Weg von der erweiterten Öffentlichkeit – hinein ins wahre Leben. Zu denen, die ebenfalls schreiben. Die aber - anders als Schmidt - ihre Texte regelmäßig ausdrucken, verteilen und vorlesen. Um sie zu besprechen. Sich somit der Kritik stellen - Auge um Auge, Ohr um Ohr. Es ist Schmidts neue Erfahrung, unerlebt bisher. Und er schweigt beobachtend – sowenig ist voranzustellen – während des Abends. Hört die Texte der Anderen, wundert sich manchmal über die Wahl der Themen und über Inhalte, notiert sich dies und jenes, entwickelt eigene Meinungen - doch das Gegenüber der Urheber schnürte seine Kehle. “Du musst endlich auch etwas sagen!”, sagt eine innere Stimme - “Du darfst nicht kränken!” eine andere. “Schweigen ist eine gute Alternative”, denkt Schmidt plötzlich und macht seine Mappe zu. Er hat noch nichts zu sagen - Er ist viel zu neu. Ich dirigiere die 3. Sinfonie in C-Dur, op. 52 von Sibelius
Um mich die Wiener Philharmoniker, hinter den Boxen Klassik Radio. Mit diesem Klangkörper gelingt es jene Spannung zu produzieren, wie sie zwischen Poesie, Beschwingtheit und Pathos bestehen sollte. Immerhin ist es eine finnische Komposition - daher ist auch rhythmische Prägnanz wichtig. Auf die Geiger kommt es an – aber wem sage ich das? Jedenfalls dirigiere ich heute das Wiener Luftorchester und das Ergebnis meiner Fuchtelei ist wunderschön-farbenreicher Klang. Der aber plötzlich durch eine Lichthupe jäh zerschnitten wird. Sofort ist alle erhabene Stimmung futsch - Hinter meinem steht ein Polizeiauto. “Sie sind nicht angeschnallt!” wirft mir eine Polizistin vor und “Der lebt ja!” staunt sie, weil Asterix nun versucht, an ihr vorbei ins Freie zu drängen. Dann wird sie ernst.
Mist. Beides liegt noch in der Wohnung. Wir waren nur kurz in Natur und - schwupps! - sind wir ordnungswidrig, Rechtsverletzer sozusagen, Gesetzesbrecher. Dergestalt, dass sich die Polizistin beeindruckt zeigt:
Hätte zufällig im gleichen Moment mein Handy geschellt, wären es sogar vier, ergänze ich schweigend. Und denke dabei: Es hat wahrscheinlich nicht viel Sinn, vorzutragen, dass ich viele der Ordnungswidrigkeiten für nicht sonderlich aufregend halte. Dass das Recht, auf welches sich in Deutschland immer wieder berufen wird, Anführungszeichen verdient, weil es auf unzulänglicher Einmischung der Judikative in die menschlich-tierische Handlungsfreiheit basiert. Doch wie ich denke rede ich nicht. Schicke statt dessen einen Schauspieler auf die Bühne. Einen der wortreich erklärt, wie leid ES mir tut. Aber der Hund musste dringendst gassi und es ist doch sohoho kalt dieser Tage. Soho kalt, dass man sich oft spontan entschließt, ein Auto zu nutzen, obwohl – eigentlich - ein Fußmarsch geplant.
Als Garnitur Körpersprache aller Organe: Männlicher Blick, suchend, ihr verstehen gebend, sie sei die schönste unter allen Polizistinnen. Den Kopf gesenkt, als seien Ordnungswidrigkeiten peinlich, die Hände zärtlich in Szene gesetzt, sie streicheln den Hund, Steter Tropfen höhlt den Stein, Gesten erzielen Wirkung.
Klar bin ich einverstanden. Welch Glück, dass ich es hin und wieder schaffe, unerlich zu sein. Und dass ich heute den Führerschein nicht mitführte - - die Strafe wäre wohl höher ausgefallen. Auf seiner Route ostwärts erreicht Schmidt ein ukrainisches Dorf
Hier beschließt er etwas zu rasten, begibt sich vorab auf Nahrungssuche, entdeckt eine Backstube, betritt diese und erbittet ein Angebot.
Schmidt wird gemustert wie andernorts ein Außerirdischer. Des Bäckers Augen sprechen eine deutliche Sprache. "Wo kommst du denn her?" entziffert Schmidt, vernimmt dabei einen leisen Seufzer, sieht wie sich der Bäckermeister die Hände abwischt und hört dessen Worte:
Schmidt nickt.
Schmidt kennt sich im Brotgeschäft nicht sonderlich aus, hält einen Taler für angemessenen und bietet diesen hungrig an. Genau das habe er sich eigentlich denken können, sagt der Prodawetz. Viel zu teuer sei das Brot im Westen. Hier, in der Ukraine, kann man Brot haben, sparen und mit Gewinn den Laden verlassen.
Der Ukrainer würde dem Fremden seine Backstube zur Verfügung stellen – preiswert versteht sich – hier kann Schmidt selbst backen. Und der Müller ist ein guter Freund des Bäckers. Wenn dieser mit nur 10% am Gewinn des Unternehmens beteiligt ist, könnte er günstig mahlen. Mit dem Bauern, der das Getreide liefert, würde der Bäcker reden.
Aber nicht der Kutscher. Doch der wird dringend benötigt. Niemand sonst kann das Saatgut so schön transportieren.
Die Zeit vergeht – Schmidt staunt. Sein Unternehmen wird immer größer. Wächst mit jedem Satz des Bäckers. Auch der Pope ist inzwischen beteiligt, der Bürgermeister und ein Dorfpolizist. Plötzlich beschließt Herr Schmidt, lieber hungrig zu bleiben. Wäre unsere Liebe ein Kind – so wäre es bald volljährig
So wie sich Kinder entwickeln - überlege ich heute - entwickeln sich auch Beziehungen. Symbiotisch. Denn man entwickelt sich beiderseits, ist nett zueinander, kommt miteinander klar – und alles wird schön gemütlich. Was sich ändert sind individuelle Wertungen vergleichbarer Situationen. Wer zu Beginn einer Beziehung mit Kaffee ans Bett kommt, hört: “Kaffee ans Bett – ein Traum! Du bist wirklich klasse! Danke-danke-danke!”. Später kann der zugehörige Text anderen Inhalts sein. “Hoffentlich hastenich widder so viel Zucker dran”, aber ES bleibt schön. Weitere Dinge bleiben auch innerhalb einer guten Ehe außerhalb des Machbaren. Sind nicht synchronisier- oder entwickelbar. Nämlich dann, wenn ein Partner etwas mag, was der andere kategorisch ablehnt. So hält sie - beispielsweise - meine zahlreichen weltbewegenden Experimente für Blödsinn. Und verhindert vielleicht sogar Zukunft. Heute wieder: Die Klopapierrolle ist abgerollt und ich knautsche deren Pappkern in den Kern der neuen Rolle hinein. Ideal wäre - sollte auch die zweite abgerollt sein – beide gemeinsam in eine dritte zu stopfen und so weiter und so fort. Bis es nicht mehr weiter geht. Das Nichtweiterstopfbare könnte entstehen, der gefüllte Raum, Materie. Im Sinne der antiken Griechen, die den umgedrehten Weg gingen. Die ihre Gegenstände solange zerlegten, bis nur noch ein Atom (ἄτομος/átomos) übrig blieb - das Unzerschneidbare. Unser Rohmaterial für Kernkraftwerke und fürchterliche Bomben. Das Unzerschneidbare braucht das Nichtweiterstopfbare wie Yin das Yang und jedes Klo ist dem Mann geeigneter Ort für philosophische Gedanken. Sie aber, weiß damit nichts anzufangen, polkt die Rolle aus der Rolle UND FÜHLT SICH MIT IHRER ANSCHLIESSENDEN KRITIK IM RECHT. Warum? - will sie wissen. Doch ich weiß es immer noch nicht zu erklären. Es gibt Bücher, die vor ihrer Veröffentlichung kein Lektorat passieren
Schund. Ich ärgere mich regelmäßig, sollte es geschehen sein, ein solches Buch erworben zu haben. “Unser Problem sind die Normalen” verspricht der Untertitel eines Buches und ich hielt es für geeignete Reiselektüre auf dem Weg nach Köln. Zumal von Hirschhausen das Vorwort textete und ich diesen Umstand (bei aller Eile vor Abfahrt des Zuges) für einen Spaß-TÜV hielt. Dabei hätte nur ein Blick auf den inneren Klappentext genügt, das Buch im Regal zu belassen:
Was im Weiteren folgt, ist ebenso schlecht.
Der Brüller! Was für Humor! Welch Feingeist schreibt hier? Übergangslos knautscht der Humorist im Weiteren die Ostwestfalen durch die Witzpresse: Ostfalen - Westfalen - Ostwestfalen - Borderline-Störung -
Es folgen Lacher vom Band. Lila Latzhosen sind eher selten
Mode bleibt nicht stehen. Wie Mode so die Sprache. Was orangefarbene T-Shirts beweisen. Bis vor Kurzem galt es noch als nicht korrekt, die Farbadjektive beige, lila, orange, rosa und türkis zu deklinieren. Bei lila und rosa bleibt das auch so. Wir werden auch weiter von lila Latzhosen reden oder schreiben (allenfalls noch von lilafarbenen/lilafarbigen) – und aller-aller-höchstens in der Umgangssprache wird es lilane geben. Bei den Adjektiven orange, beige und türkis sieht es inzwischen anders aus: Mittlerweile werden auch die deklinierten Formen akzeptiert. Das eröffnet modische Alternativen: Bei T-Shirts kann sich frei entscheiden zwischen orange, orange[n]farbenen/orange[n]farbigen und orangen. Doch was es aber bei aller Sprachverhunzung vorläufig nicht geben kann, sind orangene T-Shirts. Oder Revolutionen. In der Ukraine wurde gewählt
Derzeit werden die Stimmen ausgezählt. Immer noch - Es ist bereits Montag, der Tag nach der Wahl.
So n-tv.de. Ich halte ein. “49-Jährige mit dem folkloristischen Haarkranz” ist von dpa abgeschrieben, zumindest ist die entsprechende dpa-Meldung fünf Stunden älter. Jetzt lese ich die Meldung ein zweites Mal.
Wahrscheinlich ist die Präsidentschaftswahl in der Ukraine wirklich der Sack Reis, der irgendwo in China umfällt. Es wurde gewählt und nur wenige wollen es wissen. So lassen die Nachrichtenredaktionen der TV-Stationen Praktikanten ans Werk. Ahnungslose Menschen, die eine “Orangene Revolution” zu kennen glauben. Es sind Schreiberlinge, die ansonsten nur von der Kirmes berichten. Entsprechend sind die Bildunterschriften: “Immer wieder putzig: Ministerpräsidentin Timoschenko.” Und unter ein Bild, welches Präsident Juschtschenko in einer Kirche zeigt textet ein n-tv-Journalist: “Nach dem Vater der Orangenen Revolution, Viktor Juschtschenko, kräht in der Ukraine kein Hahn mehr.” DAS genau ist die wahrscheinlich härteste Strafe für das Versagen der Politiker: Plötzlich schreiben Amateure die Berichte in den Medien. Die Fotos sind von Profis erstellt
Hieran kann es keinen Zweifel geben. Mindestens die Hälfte der Bewerberinnen würden es bei einer x-beliebigen Castingshow drei Runden schaffen, manche von ihnen hätte sogar Chance auf einen Sieg bei einem Mannequin-Wettbewerb. Ihnen ist gemeinsam: Sie kommen aus Russland und geben vor, nur noch mit einem Elternteil zu leben, ein Kind versorgen zu müssen, einen deutschen Mann zu suchen. SIE WOLLEN MICH oder notfalls einen anderen Deutschen.
Was de facto verständlich ist, denn nur Deutschland liefert jenes Männermaterial was Frauenherzen – weltweit - höher schlagen lässt. Nur der deutsche Mann schätzt seine Kettensäge und hackt sein Holz auch bei Minusgraden mit freiem Oberkörper - nur in Deutschland ist man noch Mann! Ausgerechnet meine E-Mail-Adresse geriet unter die Spam-Initiative russischer Heiratsschwindler - ausgerechnet ich werde nun mit Bildern von vorgeblich bindungssüchtigen Russinnen bombardiert. Bilder, die ich in den Spam-Ordner schieben könnte, denn ich ahne was folgt. Doch irgendwie kann ich das nicht, noch nicht, mir bräche das Herz. So hübsches Material! So hübsche Anfragen! Und überhaupt: Wegschreddern wäre zu einfach, solch hübschen Bildchen kann man vielleicht noch gebrauchen. So fange ich an zu archivieren - und zwar mit preußischer Gründlichkeit.
Unabhängig von der Ahnung zeige ich mit Stolz meiner Frau das Bildersammelsurium.
Sie ist nicht allein. Schwiegerschaft
Das einzige Wort, welches den Kern der Übersetzung treffen könnte ist Schwiegerschaft. Doch das Rechtschreibprogramm ist unsicher. Zweifelt. Fragt sicherheitshalber noch einmal nach:
Nee. Meine ich nicht. Meiner Meinung nach, müsste “СВАТЫ” mit Schwiegerschaft übersetzt werden und zwar auch dann, wenn es diese Vokabel in der deutschen Sprache noch nicht gibt.
Die Strory: Plötzlich ist man miteinander verwandt, Oma und Opa vom Lande mit Oma und Opa aus der Stadt. Dörflicher Lebensstil trifft auf städtische Verhaltensmuster, man versucht dennoch miteinander klarzukommen, das Enkelkind gemeinsam zu lehren. Das Kuriose entsteht dadurch, dass die Großeltern - jedes Teil für sich - von der Richtigkeit seiner Werte und Normen überzeugt ist, diese sich diametral gegenüber stehen, Verwandtschaftsbande zugleich aber alle Beteiligten zwingt, sich miteinander zu arrangieren. Eine der zahlreichen komischen Situationen: Die Stadtoma hat auf dem Dorf eine Waschmaschine angeschlossen, woraufhin sich die Sicherung verabschiedet. Nun bittet die Landoma den zehnjährigen Nachbarjungen um Hilfe. Dieser polkt zum Entsetzen der Stadtoma zwischen Drähten und versucht somit, die defekte Sicherung zu überbrücken.
DRAFT - Dieses Posting wird noch lektoriert. |
GedankenjournalGrenzland
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|