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Gedankenjournal

Es ist nicht alles. Wie vermutet.
11/12/2009

Ein Sender spielt “Nights In White Satin”

 

“Schönes Lied”, bemerkt sie und “wer singt es eigentlich?” will sie wissen.

Sie hatte es “damals” nie gehört. Damals, als sie noch in der Sowjetunion lebte.

“Es sind die Moodi Blues”, sage ich und drehe den Powerknopf lauter. Singe von nun an lautlos, in Gedanken sozusagen,

“'Cos I love you, yes I love you, oh how I love you”

... - und sehe mich plötzlich in Halle an der Saale, pubertierend noch, vor der Kaufhalle mit Kumpels und am Regler meines KT 100. An jenem Kassettenrecorder, den ich mir seinerzeit vom Jugendweihegeld kaufte.

Die Nights-In-White-Satin-Aufnahme – fällt mir jetzt ein – war vom Soldatensender mitgeschnitten. Und der hatte eine ziemlich eindringliche Kennung:

“bum, bum, bum – Deutscher Soldatensender – Mittelwelle 935 kHz – Wir melden uns täglich 06:15 Uhr, 12:30 Uhr, 18:00 Uhr und 22:30 Uhr – bum, bum, bum”

6:15 Uhr war vor der Schule. Eltern schon weg, Nachbarn zur Arbeit – Musik laut.

Anschließend kommt “Massachusetts”, sollte es diese Kassette noch geben. “Massachusetts” von den Bee Gees. Und nach den Bee Gees – fällt mir nun auch noch und im Bruchteil einer Sekunde ein – ist eine Ansage, die ich beim Aufnehmen versehentlich mitschnitt:

“So, und nun wird es wieder beatig und rockig auf NDR 2. Und zwar bis 7:00 Uhr. Zu Beginn die Sweet.”

In diesen Text übergehend hört man “Are you ready Steve? - A-Ha!, Andy? - Yeah!, Mick? – Okay, …” - den Anfang von Ballroom Blitz.

Hierauf folgt “Metal Guru” von T.Rex. Marc Bolan singt sang.

"singt" streiche ich durch. Marc Bolan singt nicht mehr. Nie mehr. Schade.

Ja, ich erinnere mich doch tatsächlich an die genaue Liedfolge einer Uraltkassette. Weiß daher: Nach “Metal Guru” kommt “Paint It Black” von den Stones….

Einmal gab ich die Kassette einem Schalplattenunterhalter – “schieb sie mal rein!” – welcher einige Lieder bei einer Veranstaltung im Kubaklub abspielte und wofür ich später Ärger bekam. Wegen eines Zuträgers. Musste eine Woche später beim Direktor der Schule antanzen. “Wieso hörst du NDR 2, wo es doch so viele schöne DDR-Sender gibt?” wurde ich gefragt und bekam einen Vortrag über die Gefährlichkeit des Klassenfeindes. Wie sich der Gegner um die Herzen junger Menschen bemüht.

“Übers Ohr willder Jechner nein, an eiren Verstand…”

Nach dem Gespräch mit dem Direx machte ich “eiren Verstand” innerhalb der Schülercommunity zu einer beliebten Redewendung.

Plötzlich bin ich aufgewühlt.

Vielleicht sollte ich mir doch einmal meine Stasiakte angucken?

 

Im Radio läuft inzwischen Reklame. Es ist Tante Edda, die dank Radiowerbung zur Managerin des Jahres wurde.

“Sagst ja gar nichts?”, fragt sie nun.

11/11/2009

Zwischen Grenzen ist oft Niemandsland

 

Etwas ausgedehnter entsteht Grenzland.

Das kulturelle Grenzland U-Kraina war dort, wo eine Grenze zwischen zivilisierten Gesellschaften und ihren nomadisch lebenden Nachbarn verlief. Durch große Unterschiede und sich widerstreitende Interessen zwischen Ackerbaukultur, Jägern, Sammlern und den von Viehzucht lebenden Nachbarn kam es zu jenen Konflikten, die über Jahrhunderte hinweg – wie wir heute wissen – zugunsten der Ackerbauern gelöst sind. Die Zivilisation besiegte das Nomadenwesen mit Intrigen und dank besserer Waffen, wie auch Organisation. Was uns heute bleibt, ist eine gemischte Gesellschaft, bzw. einer gemischten Gesellschaft Fortsatz, mit spezifischer Weltanschauung, religiösen Handlungen, neuen Verhaltensmustern, kurz: mit kulturellen Sonderheiten. Und das ist auch gut so, denn unabhängig davon wer Sieger ist – das Gute bleibt.

Das Grenzland-Epizentrum verschiebt sich nun nach Westen. So gesehen hat Deutschland eine einzigartige Chance.

Nach den Detonationen des letzten großen Krieges sah es sich zunächst auch von Siegern besiedelt, später, weil Bedarf vorhanden, kamen andere Volkschaften hinzu. Neues löst Altes ab, Konflikte löst man nicht mehr mit Gewalt. So mischen wir uns, entdecken Blumen und eine andere Moral. Toleranz ist der deutsche Beitrag im Schmelztiegel neuer Werte, Geselligkeit Familie der ukrainische, Weiblichkeit Pathos der russische, ...

WIR sind Grenzland!

(Jedenfalls sind wir eher Grenzland als Papst oder Deutschland)

11/10/2009

Es war vor hunderten von Jahren

 

Zu Zeiten, da die Nordmänner Gardarike durchquerten.

Zu jener Zeit lebte am Ufer des Dnipro ein Paar, welches sich den Unterhalt rechtschaffend erwirtschaftete. Nicht sonderlich viel kam zusammen, aber es reichte zum Leben.

Nun geschah es hin und wieder, dass vorbeischippernde Krieger eines fremden Stammes am Ufer des breiten Flusses rasteten, sich bewirten ließen und in den Abendstunden am Lagerfeuer wundersame Geschichten erzählten. Zum Beispiel von Chortiza, jener Insel, die dem Wettergott Thor geweiht ist, von der fernen Stadt Byzantion, vor allem aber vom sagenhaften Reichtum jener Ernte, welch die Krieger jenes Stammes durch Handel und Beutezüge einfuhren.

Das brave Weib saß immer wieder staunend am knisternden Lagerfeuer, hörte die Geschichten und gab durch interessiertes Nachfragen zu verstehen, dass auch sie – vom Wunsch beseelt, das eigene Einkommen aufzubessern – eine solche Reise unternehmen würde. Auch ihr Gatte zeigte sich im Prinzip einem solchen Unterfangen nicht abgeneigt.

“Das könnt ihr wohl”, sagten eines Tages die Nordmänner, “nehmt einfach das gestrandete Boot, wir brauchen es nicht mehr. Schippert los!”

“Prima Idee!”, sagte das Weib.

“Es hat keine Segel”, sagte der Mann.

Und überhaupt: Am Bug klaffte ein Riss, der Mast war gebrochen, das Steuer verklemmt und darüber hinaus fehlte ein Stück vom Heck.

“Der Wille zählt!”, sagte das Weib.

“Es hat keine Segel”, sagte der Mann.

Da gab sie vor, auch allein zu reisen. Er, der ewige Pessimist, könne schließlich daheim bleiben.

“Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!”, sagte das Weib.

“Es hat keine Segel”, sagte der Mann.

Als der brave Mann merkte, dass es ihr mit der Reise ernst war, und besorgt, ihr könne unterwegs etwas zustoßen, schloss er sich dem aus seiner Sicht aussichtslosen Unterfangen an. So schoben sie mit vereinten Kräften jenes Schiff ins Wasser, wo es etwas trieb, um schließlich auf der Stelle zu verharren. Mehr noch: Langsam füllte es sich mit Wasser, denn das Leck an Backbord hatten sie zuvor nicht bemerkt.

“Tu endlich was!”, sagte das Weib.

“Es hat keine Segel”, sagte der Mann.

Und wenn sie nicht gestorben sind, treiben sie noch heute. Optimist und Pessimist im selben Boot.

So dachte ich einst. Und hiermit schien das Posting beendet. Nun aber landet das Boot, ihr Hoffnungsträger, auf einer Sandbank. Hängt hier fest. Bewegt sich weder nach rechts, links, Luv oder Lee. Und auch nicht nach Back- oder Steuerbord.

“Es hatte nie eine Chance, denn es hat keine Segel” sagt wieder der Mann.

“Du hast Schuld”, sagt nun das Weib.

11/8/2009

Ein Löwe sitzt mit einem Stier in einer Kneipe

 

Plötzlich klingelt des Löwen Handy.

“Es tut mit leid, ich muss los”, sagt der Löwe zum Stier, “meine Frau rief an.”

DER Kneipen-Brüller!

Der Stier gerät dies hörend in einen zügellosen Heiterkeitsausbruch: “Pantoffelheld! Die Frau rief an und er muss los – hihi-haha…”. Und man kann sogar sehen, wie sich der Stier lachend auf die Schenkel klopft.

Was der Löwe so nicht stehen lassen kann. So drehte er sich um und sagt:

“Du solltest es eigentlich wissen, Freund: Meine Frau ist eine Löwin -

- deine Frau ist eine Kuh.”

Peter Brinkmann hat die Mauer geöffnet

 

Er stellte die entscheidende Frage.

“Ab wann gilt das? Wann tritt das in Kraft?”

Dies war genau DIE Frage, auf die Schabowski nicht vorbereitet war. Und wegen der er – versehentlich, wie wir heute wissen – “…das gilt meines Wissens ab sofort, unverzüglich” stoiberte. Weshalb später das Berliner Volk zur Bornholmer Straße marschierte.

Großartig ist das Szenario, unlängst nachgestellt für eine öffentlich-rechtliche TV-Station: BILD-Reporter Brinkmann schützt seinen Stuhl wie die Deutschen ihre Poolliegen. Er ist der erste, der im Saal erscheint - nur um das Jackett auf die Lehne eines Stuhles zu hängen. Dies ist von nun an SEIN Platz. “Hier wollte ich unbedingt sitzen, weil ich wusste, dass etwas passieren wird.” Sagt er heute.

Am 9. November 1989, 18:57 Uhr, war es schließlich soweit. Es kam tatsächlich das Moment, da Brinkmann seine Frage anbringen konnte. DIE Frage, die schließlich Weltgeschichte schreiben wird.

“Ab wann tritt das in Kraft?”

Die Geschichte ist voll solcher Helden. Sie kennt inzwischen den Mann im DDR-Justizministerium, der eigenständig “auch für Privatreisen” in die Vorlage mogelte, den Grenzer, der entschied “zu fluten”, ohne einen Befehl hierfür erhalten zu haben, den italienischen Journalisten, der nach dem Reisegesetz fragte… – Sie sind nur Randfiguren. Statisten, Masse, Namenlose. Bald vergessen, im allgemeinen Schutt der Geschichte. Niemand kommt an, gegen den Mann mit der tapfersten aller Frage!

“Ab wann tritt das in Kraft?”

Man wird – davon bin ich überzeugt – Peter Brinkmann ein Denkmal setzen.

11/7/2009

Ehemalige Raucher sind die radikalsten Nichtraucher

 

Kein bisschen Qualm darf in deren Nähe kommen.

Was auch logisch ist, weil philosophisch (von der These zur Antithese) und religiös (vom Saulus zum Paulos).

Wahrscheinlich – denke ich heute in den Morgenstunden – rege ich mich neuerdings nur deshalb so sehr über Pleonasmen (“vorprogrammieren”, “aufoktruieren”, “Neuwahl”, “Haarfrisur”, “manuelle Handarbeit” …) auf, weil ich selbst einmal solche Vokabeln benutzte.

Jedenfalls fand ich in einem meiner alten Texte das Wort “Vorgezeigt”.

Doch erst jetzt schäme ich mich.

11/6/2009

Was für ein Landsmann sind sie eigentlich?

 

Ich bin Deutscher.

“Neee! Das hättich aba nich jedacht! Dachte, sie sinn Italjener oder so. Jedenfalls irgend sowas Südländisches. Zujezogen oderwas?”

Heute habe ich Zeit. Viel Zeit.

Ich kann ohnehin nicht weg und mir ist langweilig. Also erzähle ich geduldig, dass in meiner Erinnerung auch mein deutscher Großvater aussah, wie ich heute aussehe. Alte Fotografien dokumentieren Ähnlichkeit. Und da solches Aussehen seinerzeit, unter den Nazis, nicht sonderlich vorteilhaft war, trug mein Großvater (seinen|meinen|unseren) Stammbaum zusammen. Anhand der Kirchenregister. So kann ich also heute wissen, dass ein Strang meiner Vorfahren noch im 16. Jahrhundert in Thüringen ansässig war, ein anderer im Norden Deutschlands. Und alle, ohne Ausnahme, waren – großväterlicher Forschung folgend - Deutsche. Zumindest den amtlichen und kirchlichen Registern nach.

Nun ist sie enttäuscht. Sie hatte wohl falsch getippt. Hat somit vielleicht im Klub eine Wette verloren. Vielleicht setzte sie zuvor ihre Jetons auf “Italiener” - Faites vos jeux! - und ihre Freundin auf “Grieche” - Rien ne va plus! - und sie haben nun verloren. Die Kugel trudelt auf ein weißes Feld. Er ist ein Deutscher.

Doch plötzlich sehe ich einen Hoffnungsschimmer in ihren Augen.

“Aber ihre Frau ist doch Ausländerin? Oder?”

“Ja. Meine Frau kommt aus der Ukraine.”

Nun ist sie zufrieden. Wenigstens in dieser Frage lag sie richtig.

Freudestrahlend will sie mir nun vermitteln, dass sie Ausländer im Allgemeinen und meine Frau im Besonderen mag.

“Wissense - ich liebe nämlich die Russen!”

Ich verwechselte den Einkaufswagen

 

In der Metro.

Hielt den Wagen, der hinter mir stand, für den meinigen und legte Lachs hinein.

Als ich es bemerkte, fuhr die Besitzerin des Wagens bereits zur Obstabteilung. “….tschuldigung”, sprach ich sie an, “ich habe den Lachs in ihren Wagen gelegt”

“Oh. Danke schön!”, sagt sie

- und fährt weiter.

11/5/2009

Genau zum Zeitpunkt des Gassigehens kommt ein Lampionumzug am Haus vorbei

 

Mit einer Kapelle vorweg.


Ich geh mit meiner Laterne
Rabimmel-rabammel-rabumm

Gassigehen wäre in solchem Augenblick sinnlos, ein Welpe weiß sich nicht zu verhalten. An der Leine hätte er sehr zum Ärger der Eltern und zur Freude der Kinder wahrscheinlich alles zerkläfft was eine Laterne trägt, und ohne Leine hätte er ebenfalls gelärmt, doch ich hätte ihn darüber hinaus nur schwer wieder einfangen können.

Schöner Versuch – aber er blieb unvollendet. Ich nahm Asterix auf den Arm, ließ ihn etwas gucken, dann stiegen wir ein.

Potsdam ist – dachte ich – auch eine Option.

Aber auch hier, Am Stern, gibt es eine Parade mit Fanfaren, Kindern, Lampions und Tschingtarassabumm. - Was ist nur heute los? - Und, denke ich weiter, heute geht es dem Hund wie mir, wenn Freunde aus der Ukraine bei uns wohnen. Und wie es mir bei der Armee oft ging:

Oft ist das Klo genau dann besetzt, wenn man es dringend nutzen muss.

11/4/2009

Vom Abend des 9. November 1989 weiß jeder der dabei war, was er tat

 

Ich – zum Beispiel - bin Checkpoint Charly rüber.

Gemeinsam mit einer Freundin mit mir befreundeten Aspirantin.

Ein freundlicher BMW-Fahrer lud uns in sein Auto ein, zeigte uns Berlin. Bis wir in einem Pulk tanzender Menschen stecken blieben und beschlossen, den Kudamm zu laufen. Doch sie kannte irgendwelche Leute aus dem letzten Urlaub, glaubte diese treffen zu können und wir trennten uns. Ich stand plötzlich vor der U-Bahn-Station Spichernstraße, stieg in einen Zug, fuhr bis Tiergarten, im festen Glauben, dort müsse was los sein (weil ich Blödmann den Tiergarten für Zoo hielt).

Am Tiergarten war natürlich nichts los. So lief ich zum Brandenburger Tor. Hier halfen mir freundliche Leute auf die Mauer, auf der ich einige Zeit stehen blieb (weshalb ich heute auf einem historischen Foto zu sehen bin).

Als ich müde wurde, sprang ich ostwärts, durchquerte, vorbei an Grenztruppen der DDR, das Brandenburger Tor und begab mich gegen 4:30 Uhr in mein Bett im Internat Charlottenstraße. Zu Fuß.

Sonst war nichts passiert - Alles total normal.

11/3/2009

Die Lampe findet sie toll

 

Sie will eine solche unbedingt kaufen.

Schon beim ersten Male als sie am Laden vorbei ging, sei ihr die Lampe ins Auge gesprungen und nun wolle sie sich selbst mit jener Leuchte ein Weihnachtsgeschenk machen.

Ich bremse. “Eigentlich sind alle Lampen nur Dekoration!” So mein Einwand. Und weil nur Dekoration, ist das Deko-Material nicht kalkuliert. Daher habe ich auch keinen Preis zur Hand. - "Die Leuchten sind nicht für den Verkauf bestimmt."

Hierauf erwiderte sie zahlreiche Sätze mit viel “unbedingt haben wollen” und “bitte”.

Was mich schließlich weich kochte. “Na gut, ausnahmsweise…”

Bezahlen könne sie sie aber nicht. Noch nicht. Sie lebt nämlich von der Stütze, von Hartz IV, und müsse daher immer erst auf den Ersten warten, auf das Datum der Amtsüberweisung. Sie hätte früher nie gedacht, dass sie einmal so sehr abrutschen werde, immerhin war sie einmal die Ehefrau eines Arztes, aber der habe sie zugunsten einer jüngeren fallen lassen, die Kinder sind nun aus dem Haus und nun hocke sie da. Hin und wieder macht sie die Garderobe im Schauspielhaus und die mache sie gern. Einmal habe sie sogar vom berühmten Malachow ein Autogramm bekommen. Mit der Inschrift “Für Elke”.

“Sie wissen nicht wer Malachow ist? Das ist doch der Intendant vom Staatsballett Berlin. Ein Russe.”

Aber neuerdings werde sie nicht mehr angefragt. Genau genommen seit zwei Jahren nicht mehr. Doch sie hat die kleine Rente, kombiniert mit der Stütze. Die - wie sie sagt - über Hartz IV nicht hinaus geht. Reicht gerade so. Fürs Nötigste.

Aber die Lampe findet sie toll - “Die wird mein Weihnachten!” – Sie könne sich bereits gut vorstellen, wie die Lampe aussehen wird, in ihrer Leseecke. Und wie sie dann dasitzen wird, unter der Lampe, umzingelt von Büchern.

“Okay, überredet, ich kalkuliere rasch…”

Sie setzt sich neben mich, sieht wie ich den Lieferschein hervorziehe, wie ich die Ausgangs Eingangsrechnung aus einem Papierstapel hervorhole, dann den Betrag in Zloty eingebe, durch 4,13 teile, mit 1,8 multipliziere, 19% Mehrwertsteuer hinzu rechne – fertig! 867 Euro und 53 Eurocent sind das Ergebnis.

Nun ist sie blass, kreideweiß, ich sehe Enttäuschung. Und sie tut mir leid - die Geschichte vom verdorbenen Weihnachtsfest.

Aus mir heraus spricht plötzlich eine fremde Stimme:

“…’tschuldigung. Kommafehler. Der wahre Preis ist 86,75 Euro”

11/2/2009

Asterix soll lernen

 

Es geht nicht, dass ein Hund einfach so seine Kindheit verbringt.

Sie hat recht: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

So spazieren wir also im ehemaligen Grenzgebiet bei Dreilinden und verharren auf einer Lichtung.

“Herbst” sage ich nun, damit der Hund kapiert, wieso die Blätter fallen.

11/1/2009

Ich fuhr nicht hin, zum Klassentreffen,

 

- und heute find ich’s schade.

Es war der schnöde Mammon, der mich abhielt. Plötzlich – kurz vor meiner Abreise nach Halle an der Saale, zum Treffen Ehemaliger – betraten Kunden unseren Laden und das innere Signalsystem gab mir ein gutes Geschäft vor.

Gier hielt mich also ab, Freunde zu sehen.

Wie unchristlich von mir, stelle ich heute fest. Und so sitze ich und denke auch: Ach, wäre es schön, wenn ich mich gestern hätte zeigen können. So schlank wie ich geworden bin, die Anzugtaschen gepolstert mit jenen Visitenkarten, die DAS neue Geschäft verheißen. Alle anderen von damals glücklichmachend:

“Mit diesem Erfolgsmenschen ging ich einst in die selbe Klasse!”

Aber ich war nicht da.

So konnte ich niemanden auf den Keks gehen.

10/31/2009

Das Klassentreffen ist ein wichtiges Ritual für alternde Menschen

 

Wobei ich mich nicht ausschließe.

Auch wir treffen uns und ich denke: Komisch.

Unmittelbar nach der Schule hatten wir uns nicht mehr füreinander interessiert. Auch später, während des Studiums, nicht. Und in den ersten Jahren des Berufslebens waren wir uns ebenfalls egal. Nun aber, da alles gelaufen scheint, fängt Mensch an, in Erinnerungen zu stochern und sich selbst darzustellen. Seht, was aus mir geworden ist! Und entweder bei diesem Treffen schon, spätestens aber beim nächsten, werden wir uns gegenseitig Enkelkinderbilder zeigen.

Aber ich gehe gern hin. Gebichzu. Solche Gespräche liefern die beste Vorlage zu einer Retrospekive in eine teilweise vergessene Zeit.

Heute will ich gut vorbereitet sein, stecke mir daher die obligatorischen Fotos ein: Die Plattenbauwohnung, der Gebrauchtwagen, die Spülmaschine…

...und sicherheitshalber trainiere ich auch das Fotos-auf-den-Tisch-bumsen.

10/30/2009

Einmal – aller zehn Jahre – sollte man sich untersuchen lassen

 

Es könnte schließlich sein, dass eine versteckte Krankheit nagt.

Normalerweise würde ich einfach so zum Arzt gehen, aber Frauen wissen so etwas besser. Irgendein Arzt kommt nie und nimmer in die Wiedervorlage – es sollte stets der beste sein. Und so testete die Community bereits diverse Praxen. Weshalb auch für uns nur der Jenige (ich mache den Gag immer wieder gern) in Frage kommt, den alle Frauen gemeinsam gut finden.

Unklar sind allerdings die Parameter der slawischen Feldstudie, aber wer keine Alternative hat oder diese nicht zu begründen weiß, hat sich zu fügen.

“Wir fahren zu dem, der sich nahe der Brücke befindet, auf der man früher Stierlitze austauschte”

So lautet innerfamiliäre Order und wieder einmal entdecke ich, dass sich nach einigen Jahren Ehe ein Kommunikationssystem entwickelt, dass Außenstehenden nicht oder nur mit unendlich vielen Worten zu vermitteln ist. Vor allem dann, wenn Außenstehende Deutsche sind.

Stierlitz* (Max Otto von Stierlitz) ist der Hauptheld der TV-Serie “Семнадцать мгновений весны” ein Superagent des KGB, der – glaubt man der Serie – wesentlich zum Sieg der Sowjetarmee im Zweiten Welkrieg beigetragen hatte. Ein Super-Super-Agent sozusagen.

Die Brücke, “auf der man Stierlitze austauschte”, ist die Brücke der Einheit, das Bindeglied zwischen Potsdam und Berlin. Hier fanden in den 1960er Jahren und später legendäre Austausche von Spionen und Agenten statt.

Ich weiß: Sie will in die Berliner Straße.

 

*Da fällt mir doch ein Stierlitz-Witz ein:

Hitlers Bunker.

Plötzlich kommt Stierlitz, schenkt den anwesenden Kriegern Tee ein, nimmt geheime Dokumente aus dem Safe und geht wieder.

Hitler ist überrascht: “Wer war das?”

“Das ist Stierlitz aus Schellenbergs Abteilung. Aber in Wirklichkeit ist er der russische Agent Oberst Isajew.”

“Wenn sie es wissen, warum verhaften Sie den Mann dann nicht nicht?”

“Sinnlos. Der wird sich herauswinden. Wird behaupten, er habe nur Tee gebracht.”

10/29/2009

Der erste Zahn wurde ihr gezogen

 

Im wahrsten Sinne des Wortes.

Und nun leidet sie.

Ob ich ihr ein Aspirintschik besorgen könne.

Klar. Kannich.

Aber – so lerne ich in der Apotheke – bei Zahnweh hilft Aspirin nicht so gut. Besser sei Ibuprofen, dieser Wirkstoff ist in diversen Zahnschmerztabletten enthalten.

“Gut. Einverstanden.”, sage ich, “Geben sie mir diverse Zahnschmerztabletten. Doch dazu – bitteschön – zusätzlich noch Aspirin!”

Meine Frau ist Ukrainerin und ich bin ein Mann mit Erfahrung. Wenn man ihr nicht bringt, was sie zuvor bestimmte - ahne ich - wirken die Zahnschmerztabletten nicht. Nocebo- oder umgedrehter Placeboeffekt.

Besser ist, sie hat die Wahl.

10/28/2009

Eine normale Schwangerschaft dauert 267 Tage

 

Sie kann wenige Tage früher zu Ende sein, oder etwas später.

Aber Durchschnitt bleibt Durchschnitt.

Bei einem guten Produkt ist es ähnlich: Es reift für den Markt. Wird möglicherweise zuerst nur von denjenigen Leuten entdeckt, die es sich nicht leisten können. Oder von Leuten, denen es aus anderen Gründen nicht passt. Aber Qualität wird sich rumsprechen. Ein gutes Produkt wird nachgefragt. Immer.

Die Idee, sich als Kunde seine Wohnhülse selbst gestalten zu können, ist einfach originär!

Dies umgesetzt, kann uns zum Marktführer machen. Vielleicht. Bestimmt.

Jedenfalls sind ihr 267 Tage plötzlich zu viel. Sie glaubt polken zu müssen, um die Geburt zu beschleunigen. Flyer wären vielleicht gut, ratschlagt sie, in die Briefkästen der Reichen geworfen. Doch “du willst doch keine Pizza verkaufen!”, gegenargumentiere ich.

Oder – so der nächste Vorschlag – vielleicht ein Schlussverkauf, “Ab heute alles billiger…”.

Plötzlich bin ich der Bremser.

Weil ich weiß: Wir brauchen nur den langen Atem einer ruhigen Lunge.

10/27/2009

Es ist sehr gutes Design

 

- und das Material ist hervorragend verarbeitet.

Wir sind begeistert.

Mehr noch: Sie sind flexibel, ward uns versichert, und können Sonderwünsche erfüllen. Kurzfristig sogar.

Bolonia Exclusive

Eigentlich – überlege ich nun - haben sie alles, was vonnöten ist, um einen Markt aufzurollen.

Bis auf die Marke.

Aber das wiederum, so scheint es, wird zu unserer Aufgabe.

10/26/2009

Vielleicht ist es wirklich so, dass jede Nation über eine ästhetische Sonderheit verfügt

 

Die Russen – zum Beispiel - haben ihre Musik.

Ihre Orchester sind allesamt besetzt mit Musik-Meistern, die ihr Handwerk verstehen. Und sie produzieren ausnahmslos dem Ohr gefällig. Bei den Franzosen könnte man die Nase als zentrales Sinnesorgan vermuten, sie liefern das Parfum. Die Italiener bedienen den Tastsinn - sie können jedes Leder streichelweich herstellen. Und die Polen – beobachte ich – sind Diener des Auges, denn Polen können Bilder so montieren, dass sie über das Auge ins Hirn eindringen und hier nachhaltig verbleiben. So kennt auch alle Welt polnische Filmemacher, wie Wajda, Polanski, Zanussi, Munk…

“Und die Deutschen?”

Sie unterbricht meinen Vortrag mit der schwierigsten Frage. Ich bemühe mich um Antwort. Die deshalb so schwierig ist, weil sich die Deutschen offensichtlich wandeln. Ursprünglich galt formale Logik in Kombination mit Sprachästhetik als deutsches Charakteristikum. Was Dichter und Denker entstehen ließ. Doch im Laufe der Zeit wurde - so scheint es - Ordnungssinn zum dominierenden deutschen Wesensmerkmal. Aus dem Dichter wurde Richter, aus dem Denker wurde Henk.... - STOPP!

Ich kann mich irren.

Vielleicht bedienen die Russen ja auch in erster Linie das Auge - sie haben ein Ballet. Und die Franzosen mehr Gaumen als Nase, sie leben wie Gott in Frankreich. Und der Chianti der Italiener ist das König unter den Weinen.

Dieses bleibt vorerst unvollendet. Musses auch. Es ist unbedacht.

Aber diese Gedanken kommen in die Wiedervorlage.

10/25/2009

Sie heißt Ida Gramow

 

- oder Ina Gozykowski.

Der Name tut nichts zur Sache, sie könnte auch Isolde Grabmal heißen.

Wichtig für die nun folgende Anekdote sind ihre Initialen (“IG”). Diese wollte die Potsdamerin nach mühsam bestandener Fahrprüfung und dem Erwerb eines Gebrauchtwagens am Nummernschild ihres Autos wissen und gab hierfür, wie auch für ihr Geburtsjahr – 1988 – einiges Geld aus. Schließlich fand sie das Ergebnis “P-IG 88” zwar originell, aber nicht sonderlich aufregend.

Nicht so das Volk.

“Bekennendes Nazischwein” war eine der Interpretationen.

Es ist kein Filmriss im klassischen Sinne

 

Eher ist es so, dass sich die Ereignisse der letzten Tage überlagerten.

Das Ungewöhnliche liefert nun den nachhaltigsten aller Eindrücke. So die Massenkaraoke von Wielogłowy.

Es war – so schien es – das halbe Dorf versammelt, der Saal knüppeldickevoll und der DJ warf die Texte polnischen Liedgutes an die Wand, welches das Publikum grölte. Anders als in Odessa oder Kiew, wo stets einzelne Personen Songs interpretieren, waren hier, in Kleinpolen, Publikum und Interpreten verschmolzen, zu einer Einheit. Und wenn die krakeligen Weibsstimmen nicht dominiert hätten, hätte es was von Stadionatmosphäre zum Pokalfinale.

Niemand tanzte übrigens - alle lasen nur und sangen. Lautstark. Wir konnten die Songs mitlesen und hätten vielleicht ebenso grölen können, wenn wir die jeweilige Melodie gekannt hätten. Aber ohne dem, war solch Vorhaben zum Scheitern verurteilt. So blieb uns aber die stimmungsvolle Atmosphäre des Abends.

Die andere Erinnerung: Plötzlich ging das Licht aus und der Hausherr erschien mit einem Sektkühler, darin Eiswürfel, garniert mit einer Flasche Wyborowa, und verkündet, dass gemäß einer uralten Tradition seines Hauses jede fünfte Flasche stets zu Lasten des Hauses gehe. Woraufhin Publikum Beifall spendete.

Grotesk. Man stelle sich das in Deutschland vor: Sitzen Säufer im Lokal, saufen den Schnaps flaschenweise, und der Wirt, statt sie rauszuschmeißen, zeichnet solches Verhalten mit zusätzlichem Alkohol aus - und alle anwesenden Gäste spenden anerkennend Beifall.

Dabei waren unsere Themen des Abends sehr ernste. Es ging ums Branding, also wie am besten das Produkt zu vermarkten sei, dass uns nicht mehr viel Zeit bis zur Kölner Möbelmesse bleibt, dass die Idee eine Möbelfabrik als Designstudio zu deklarieren eine der besseren war, sowie Lieferzeiten, Handling bei Reklamationen und anderes mehr…

Zum Schluss – erinnere ich mich nun - hatte ich die Stimme Eberhard Esches im Ohr:

“… geradezu in Strömen floss der Wein,
die Nachbarn gossen ihn sich gegenseitig ein”

Ich konnte nur mit Mühe mich erheben,
Und sprach die Absicht aus, mich heimwärts zu begeben.

Die letzten beiden Zeilen sind nur ein Ergänzungsjoke. Ich war nach meiner Erinnerung – eigentlich - noch ziemlich klar, als es endlich heimwärts, was bedeutet: zurück ins Hotel, ging. Einer der Unsrigen schlief bereits am Tisch und einen weiteren mussten wir bei Abreise von einem Tisch junger Polinnen wegzerren, weil ihn - offensichtlich - der Alkohol die Frau vergessen machte.

Pani Stanislaw und ich – so kam es mir vor – waren die letzten unserer Runde, die in jener Nacht noch bis zum Schluss arbeiteten.

Jedenfalls erzählte ich es so meiner Frau.

10/24/2009

Nach etwas Zappen fand ich Radio Trojka

 

Das ist der Sender, dessen Musik meinem Geschmack sehr nahe kommt.

Agnieska heißt die Moderatorin und ein Acer-Notebook gibt es zu gewinnen, mit “Windows siedem” als Betriebssystem: Man muss nur einmal der Radiostation simsen, wird dann angerufen, bekommt eine Frage gestellt und bei richtiger Antwort und einer anderen Voraussetzung, die ich nicht verstehe, kann man es haben. Manche polnische Werbung ähnelt sehr der deutschen - "Mediamarkt. Nie dla idiotow!" - doch mehr zu verstehen genügen meine Polnischkenntnisse nicht. Aber die Musik gefällt. “It’s Raining Again“ von Supertramp singe ich mit. Es ist schließlich ein Song aus meiner Zeit, aus 1982. Ebenso Bob Marleys "Chances Are" aus 1981.

Schön. Fast so schön wie damals.

Hachja, wie waren wir einst jung...

Agneska moderiert moderat und man hat – so der Eindruck – nicht jene aufdringlich Eigenwerbung der Radiostationen wie Deutschlands Volldiefielfalt. Zumindest bei Radio Trojka.

Aber vielleicht erwischte ich einfach nur den richtigen Tag zur richtigen Zeit.

10/22/2009

Wir Menschen reden selten über den Alltag

 

Der wird stets nach oben oder unten abgerundet.

Normalität – so glauben wir – bedarf keiner Worte.

Wobei ich mich nicht ausschließe. Man schreibt viel lieber über Sonderheiten - “Schaut die Lilien!” – so sind wir es gewohnt. Und so hört unsere kleine Familie hin und wieder, zugetragen von Engelszungen, die wundersamen Geschichten vom dressierten erzogenen Mann: “Juhu! Wieder einmal ist es mir gelungen, dem Geizkragen Geld abzuluchsen. Nun habe ich ein neues Kleid!”. Doch bei anderer, allerdings viel seltener, Gelegenheit schwatzt eine Teufelin. Berichtet vom Miststück, der alles Geld für sich behalten will.

Grund zu denken, dass der normale schnöde Alltag selten in unseren Worten Zuflucht findet. In summa überwiegt das nach oben Abgerundete. Was uns zufrieden macht. Was nahe der eigenen Vorstellung vom Glück ist. Es sollen doch bitteschön alle neidisch sein: Auf ihr Leben in der Überholspur, auf einen starken Charakter, der Männer gefügig macht und schließlich zu jenem veranlasst, wozu sie da sind: Zum Zahlen.

Solch ein Erzählwerk kann sogar funktionieren. So lange sich die jeweiligen Rezipienten ihr normales Bezugssystem bewahren.

“Sie ist meine Freundin und wenn es ihr gefällt, die Geschichten so zu drehen – warum nicht?”

Stimmt.

Hiermit hat meine kluge Frau recht.

Und mir sollte es schnurzpiepegal sein.

10/21/2009

Bitte nach Stahnsdorf, in die Bergstraße -

 

- so die exakte Order an den Taxifahrer.

Wie fahren los.

“Wo ist denn die Bergstraße”, erkundigt sich der Fahrer.

“Leicht zu finden”, auskunfte ich, “Nuthe-Schnellstraße, dann dritte rechts”.

“Eine Hausnummer haben sie wohl nicht?”

Nee. Habichnich. Brauchen wir auch nicht. Ich will in die Werkstatt und sonderlich viele Werkstätten gibt es nicht in der Bergstraße. Zumindest nicht in der Stahnsdorfer Bergstraße.

Erst jetzt bemerke ich, dass der Chauffeur am Navi hantiert.

Komisch. Bisher hielt ich die Deutschen immer für ein Volk, dessen wesentliches Charakteristikum darin besteht, anderen den Weg weisen zu wollen. Nun stoße ich auf das Gegenstück: Einen Menschen, der sich offenbar gern den Weg weisen lässt. Sogar doppelt: Vom Navi und von mir.

Wir gelangen zur Kreuzung, Abzweig Bergstraße. “Nun bitte bis zum Ende der Straße”, sage ich - “sie haben ihr Ziel erreicht”, sagt das Navi.

“Das ist, weil wir keine Hausnummer eingegeben haben”, sagt der Taxifahrer.

Aha! 

Er ist sexuell hyperaktiv

 

Was typisch sein soll, für kleinen Rassen.

Solche Hunde seien von der Evolution aufgrund ihrer Größe derart benachteiligt, so dass ihnen quasi genetisch aufgetragen sei, jede noch so kleine Chance zu nutzen, um Nachkommen zu zeugen.

So erklärte es mir Lunas Herrchen, ein Anwalt für Verwaltungsrecht. Wir treffen uns hin und wieder auf einem Berliner Hinterhof zum Fachsimpeln, insbesondere über Hundeerziehung. Und: Es klingt oft logisch, was er sagt.

Aber ich habe keine Zeit keinen Bock keine Zeit, die Evolutionsthese zu überprüfen. Mir genügt die Feststellung, dass unser Asterix bei wenig Auslauf in Kombination mit empfundener Zuneigung, anfängt zu onanieren. Und sich – witzig-witzig – hierfür bevorzugt irgendeine rechte Hand sucht.

So auch die einer Bekannten. Plötzlich fing der kleine Hund an, ihre Hand zu begatten.

“Er sieht in dir die Hündin”, war mein Versuch einer Rechtfertigung,

 - “das ist eine Beleidigung” war die andere Meinung.

 

Andreas S

Power: Sie macht 75% des Erfolges aus.
Wenn du sie nicht hast, sei wenigstens nett.
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Was für eine vorzügliche Einrichtung, dass die Gedanken nicht als sichtbare Schrift über unsre Stirnen laufen! Leicht würde jedes Beisammensein, selbst ein harmloses wie dieses, zum Mörder- treffen. Oder wir lernten es, uns über uns selbst zu erheben, ohne Hass in die Zerrspiegel zu blicken, welche andere uns sind. Und ohne den Trieb, die Spiegel zu zerschlagen. Dazu aber, sie weiß es ja, sind wir nicht gemacht.

Christa Wolf