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Gedankenjournal

Wichtige Thesen dürfen auch gerufen werden

Andreas S

Power: Sie macht 75% des Erfolges aus.
Wenn du sie nicht hast, sei wenigstens nett.
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12/22/2009

Slawische Mentalität kennt nicht die Kultur des Aufeinanderzugehens

 

Es gilt nur das Eine ODER das Andere.

Sewastopol spricht russisch Nichts dazwischen ist möglich. Keinen Fußbreit Platz dem Feinde auf dem jeweiligen Gebiet!

Dabei wäre es doch einfach, alle problematischen Schilder zweisprachig anzubringen. Wie in Deutschland, wo neben dem Hinweis Richtung Breslau auch Wroclaw steht. Dergestalt, dass niemand eingeschnappt sein muss.

So aber wird das Navigationssystem der Krim zur Materialschlacht: Alle Schilder die von der ukrainischsprachigen Administration installiert sind, werden stets von russischsprachigen Aktivisten geändert.

Einer kann nur das Sagen haben!

Sewastopol spricht russisch.

Quelle: http://censor.net.ua/go/offer/ResourceID/141673.html

12/20/2009

Ein Glas Rotwein ergießt sich über die Tastatur

 

Aus! - Kein Muks mehr vom Rechner! - Tote Hose im Operating System!

Das sind diejenigen Momente, bei denen ich froh bin, dass meine Frau nicht meine Art von Humor hat. Wäre ihr dasselbe passiert, hätte ich bestimmt gesagt:

"Mach dir keine Sorgen -

- wir haben schließlich noch ein Fläschchen Rotwein in der Küche."

Es gibt keine Zeit des Jahres an der so viel an der Wahrheit herum gewurschtelt wird, wie an Weihnachten

 

Offenbar brauchen wir das. Wenigstens einmal im Jahr.

Die Öffentlich-Rechtlichen könnten als Seismograf für solche Stimmung gelten. Sie erfassen das menschliche Bedürfnis nach Selbstbetrug und zeigen regelmäßig Sissi-Filme, in diesem Jahr sogar als Remake.

Es scheint tatsächlich so: Kaum dass das erste Lichtlein brennt, wollen wir von Wahrheit nichts mehr wissen. Denn wäre es anders, gäbe es ein ZDF-History-Spezial mit Guido Knopp “Wie es damals wirklich war” oder den Medizin-Talk “Sissi-Syndrom und wie man sich davor schützen kann” und eine Expertenrunde der ARD würde der Frage “War Jesus wirklich schwul?” nachgehen.

Aber weg damit!

Genau solche Wahrheit will im Dezember niemand wissen.

Sogar in der seinerzeit atheistischen Sowjetunion entdeckte man in den dreißiger Jahren die menschliche Sehnsucht nach einer Jahresendfigur und erfand den Frostopa Ded Moros. Stalin ließ die Tanne wieder aus dem Wald holen - größer und schöner als alle Kapitalistentannen der restlichen Welt zusammengenommen.

Wenn man sich heutzutage wenigstens auf eine Version einigen könnte! Aber nee – Chaos. So aber latsche ich durch die Einkaufszentren und finde kein Konzept. Alle Weihnacht Europas ist unlogisch gruppiert: Das Center-Weihnachts-Kino führt russische Märchen vor, täglich werden Plätzchen gebacken, gegen 16 Uhr kommt ein deutscher Weihnachtsmann, amerikanische Elche werden ebenso angeboten wie englische Weihnachtsstrümpfe.

Nie sind wir mehr Grenzland als zur Weihnachtszeit!

12/19/2009

Daar was mal eens een Fischer un siine Fru, de waanten tosamen in’ n Pispott…

 

So beginnt das Märchen vom Fischer und seiner Frau.

Hin und wieder kann man das Märchen heute noch erleben, weil – so erkannte seinerzeit der Psychoanalytiker Otto Gross - das Verhalten der Protagonisten Ausdruck des der patriarchalischen Gesellschaft innewohnenden Machtwillens ist. Mitunter mit veränderten Rollen, wenn die Frau das herrschende Element einer Beziehung ist.

Andere Interpreten halten das Märchen vom Fischer und seiner Frau einfach nur für eine moralisierende Parabel gegenüber der Volksweisheit, dass alle Maßlosigkeit schließlich mit dem Verlust von Hab und Gut bestraft wird. Alles verlieren zu können ist die logische Konsequenz entgrenzten Handelns. Was wir natürlich belegen könnten: Mit der Geschichte von der T-Aktie, den Berichten vom Zusammenbruch des Neuen Marktes, oder der Story von den Lehman Brothers. Und mit anderem mehr.

Man kann jenes Märchen jederzeit neu erfinden oder besser noch: stattfinden lassen. Was im Übrigen mit Schmidt, dem Fischer, und dessen Frau Irotschka auch geschieht. Diese bemerkte bereits zu Beginn ihrer Beziehung des Fischers Ahnungslosigkeit in sozialen Belangen und fing behutsam an zu fordern, was ihr zusteht: Schuhe, Taschen, Schmuck und Kleider. Wobei ihr stets das Erreichte nicht als Erreichbares gilt.

Schmidt, der sich anfangs nicht immer fügte, wurde mit der Option, verlassen werden zu können, gefügig gemacht. Und als des Fischers Konto leer und er eines Tages weder ein noch aus wusste, begab er sich zu jenem Zauberfisch, der sich - den Umständen der neuen Zeit angepasst - nun Berater nennt und ein schickes Haus an der Ostsee bewohnt.

Mandje! Mandje! Timpe Te!
Buttje! Buttje an de See!
Mine Fru, de Irotschka,
Is, wenn i komme, nich mehr da.

Berater Buttje weiß immer was zu tun ist. So erweitert er den Dispo von Schmidts Konto zu Irotschkas Gunsten, verhilft ihm zu einem Zweitjob und lässt ihn schuften, rundumdieuhr. So scheint erneut alles in Butter - doch Irotschka bleibt unzufrieden. Auch sie hatte vom Zauberfischchen gehört und begibt sich nun selbst zu ihm hin.

Mandje! Mandje! Timpe Te!
Buttje! Buttje an de See!
Ich, die schöne Irotschka,
Bin, wenn er ankommt, nicht mehr da.

Erstaunt will Berater Buttje wissen, was ihr Begehr sei. Ob sie es konkret formulieren könne.

“Der Schmidt, mein Mann, der Fischer, ist etwas einfach-strukturiert und leider sehr-sehr unbelesen. Kennt weder Kafka noch Tolstoi. Von Bulgakow ganz zu schweigen. Lieber Buttje, mach bitte, dass mein Mann belesen wird.”

“Okay”, denkt Herr Buttje, erinnert sich bei der Gelegenheit an einen Spruch aus dem anderen Märchen - крекс, фекс, пекс! - und siehe da: Der Fischer liest - und liest, und liest, und liest, und liest, un...

Eines Tages glaubt Schmidt, vieles verstanden zu haben, nimmt einen Textmarker, markiert die entsprechende Stelle des Gesellschaftsvertrages -

Die Sklaven verlieren in ihren Fesseln alles, sogar den Wunsch, sie abzuwerfen, sie lieben ihre Knechtschaft, wie die Gefährten des Odysseus ihren tierischen Zustand nach ihrer Verwandlung liebten. ... Die Gewalt hat die ersten Sklaven gemacht; ihre Feigheit hat sie beständig erhalten.

- macht sein Konto zu und ist nun wieder auf der Suche.

12/18/2009

Eines Tages des Jahres 1968 stromerte ich durch Moskau

 

Ich hatte keinen Plan und mir war langweilig.

Fanfan von der Tulpe In der Nähe des Zirkus fand ich ein Kino.

Hier zeigte man an diesem Tage den Film “Фанфан-тюльпан”, der als “Fanfan der Husar” zuvor auch ins Deutsche synchronisiert wurden war.

Fanfan la Tulipe ist ein klassischer Mantel-und-Degen-Film (1952, Regie: Christian-Jaque) mit Gérard Philipe in der Hauptrolle und wurde damals in der Sowjetunion wahrscheinlich deshalb gezeigt, weil er aristokratischen Militarismus verspottet. Die Rolle der Adeline war mit Gina Lollobrigida besetzt.

Heute ist mir noch diejenige Szene in Erinnerung, in welcher Fanfan erhöht stehend vorgibt, eine Landschaft zu beschreiben “Ich sehe von hier aus dieses und jenes…”. Doch die Zuschauer verstehen sofort, dass er mir seinen Worten – eigentlich – Adelinas Körper meint, insbesondere Ginas Brüste. Worauf diese in der russischen Fassung mit “Противный!” reagiert. Was wiederum das Mädchen in der Reihe hinter mir bereits vorher wusste, denn auch sie sagte “Противный!”, und zwar noch bevor es die Synchronstimme der Gina Lollobrigida  aussprach.

Dies ward von jenem Mädchen leise gesprochen, fast gehaucht, aber ich konnte sie hören. Nur ich. Ich, der damals erst 10 Jahre alt war und der anhand dieser Szene plötzlich verstand, dass man sehr wohl das Eine sagen, etwas Anderes meinen und dennoch verstanden werden kann. Ein Schlüsselerlebnis für zukünftige Wahrnehmungen.  

Ach ja, damals…

Jetzt fällt mir noch ein, dass es an diesem Tage regnete, dass es dunkel war, als ich das Kino verließ und dass ich auf meiner Heimfahrt im Trolleybus die 4 Kopeken Fahrpreis nicht bezahlen konnte, weil ich zuvor alles Taschengeld für die Kinokarte verballert hatte.

Jedenfalls war ich gestern in einem Markt - “Ich bin doch nicht blöd!” - und polkte die entsprechende DVD der Classic-Selection-Serie aus einem Regal und kaufte “den Film, durch den Gérard Philipe zum Mythos wurde.”

7,99 Euro sind mir diese Erinnerungen wert.

12/17/2009

Der Umgang mit Kälte macht den nationalen Unterschied

 

In unserer Mischfamilie bleibt nachts die Balkontür geöffnet.

Sie kann anders nicht schlafen, denn sie trägt – jetzt bin ich mir dessen ziemlich sicher – das genetische Material eines Nomadenvolkes in sich. Von denen, die seinerzeit stets unter freiem Himmel übernachteten. Die daher auch Jahrhunderte später nicht anders können – Sie BRAUCHT beim Schlafen frische Luft, egal wie kalt sie ist.

In den ersten Wintermonaten unserer Ehe versuchte ich Widerstand zu leisten. Argumentativ und administrativ, indem ich abends wortreich alle Fenster schloss. Was aber nie Sinn machte, denn sie kann in solcher Situation tatsächlich nicht schlafen, bleibt bei geschlossenem Fenster wach bis ich eingeschlafen bin, um dann jenen Zustand zu installieren unter dem ich leide.

Es ist vor allem morgens furrrchtbarrr kalt in der Bude!

Auch mit dem Lysistrata-Trick versuchte ich es vor einiger Zeit. Verweigerte bei Kälte ehelichen Beischlaf.

Wie lange schon hast du Aphrodites Nachtfest nicht mitgemacht? — Sag, kommst du nicht mit heim?

Niemals, bei Zeus, wenn ihr das Fenster nicht schließt und Wärme macht!

Aber die Frauen Athens und Spartas waren damals stärker als ich heute. Ihr Liebesentzug führt zum Erfolg – Unsere Bude blieb kalt.

Dass, wenn die Balkontür geöffnet, die Heizung aus ist, bedarf sicher keiner gesonderten Erwähnung. Das ist quasi selbstverständlich. Unser kleiner familiärer Beitrag wider der Erderwärmung.

Wir sind die wahren Klimaschützer!

Unabhängig von nächtlichen Umständen, werkelte sie gestern in unserer Wohnung, installierte den obligatorischen Weihnachtskitsch auch an unseren Fenstern, was ihr offenbar große Freude bereitete. Ich kam nach Hause und hörte: “Guckemal hier!” und “Guckemal da!”

Ja, ich kam und sah. “Aufwendig dekoriert”, dachte ich und “Bin begeistert!” log ich.

An unserem Küchenfenster blunkert nun ein Weihnachtsstern, am Schlafzimmerfenster ein Herzchen und im Wohnzimmer hängen überdimensionale Eisblumen.

“Du hast dir aber sehr viel Mühe gegeben”

Das ist sogar ehrlich. Ihre Mühe kann man deutlich erkennen.

Jeder Installation folgt Instruktion. Das verbale Handbuch für alle Nichtkünstler für den Umgang mit Kreationen. Unvermeidlich wie Klopapier. 

“… und du solltest von nun an, bitte, nicht die Fenster öffnen!”

Verwirrtes Smiley -> Smiley -> Smiley mit geöffnetem Mund

“Nur die Balkontür”, schiebt sie nach.

12/16/2009

Das ukrainische Alphabet kennt kein H

 

Weshalb aus dem deutschen Hans eine Gans wird.

Oder aus der Stadt Halle eine Galle.

Soweit so gut. Kein Problem. Wir haben es zu akzeptieren.

Problematisch scheint mir der ukrainische Umkehrschluss. Der fordert nämlich die Transkription eines jeden ukrainischen G zu einem H, obwohl es in den meisten westlichen Schriften ebenfalls den Buchstaben G gibt. Nichtsdestotrotz wollen die Ukrainer, dass ihr Griwna in Deutschland “Hrywnja” und im englischsprachigen Raum “Hryvnia” geschrieben wird.

Okay, denke ich, bei Hrywnja könnte man notfalls noch erraten, worum es geht.

Doch wo zum Teufel liegt Wuhlehirsk?

Solch Name für eine ukrainische Stadt klingt völlig abgedreht.

Man kann erst verstehen welcher Ort gemeint ist, wenn man sich durch die Wikipedia-Sprachen navigiert. Wuhlehirsk liegt – eigentlich – im russischen Siedlungsgebiet. Hier im Revier gründete man einen Ort namens Uglegorsk (Углегорск), übersetzt “Kohlenberg”. Solch Name ist bezeichnend für die Donezker Region, die im Wesentlichen vom Kohleabbau lebt.

In den Neunziger wurde fleißig ukrainisiert. So wurde aus Uglegorsk Wuglegirsk (Вуглегірськ), was aber so nicht geschrieben werden darf. Statt dessen gibt die Vorschrift “Wuhlehirsk” vor.

Der Wuhlehirsker Bürgermeister schreibt sich Hryhorowytsch. Doch ist der Mann garantiert beleidigt, wenn man seinen Namen so aussprechen würde, wie nach den Transkriptionsregeln geschrieben.

Besser ist, man sagt Grigorowitsch - und der Mann weiß, dass er gemeint ist.

 

PS: Die Homepage von Wuhlehirsk (http://uglegorsk.at.ua/) ist geil. Sogar ein Foto ist eingestellt.

я verfluche меня

 

So steht es nun in der russischen Version des “Журнал мысли”.

Aus Gesprächen werden hier “Verhandlungen”, aus Rotweingesprächen “Rote Verhandlungen”.

Wobei der Fehler bei “я verfluche меня” immerhin noch ein bisschen logisch ist. Ein Translator sollte keine Flüche kennen. Doch dass “Wichtige Thesen dürfen auch gerufen werden” mit “Das Wichtige könnte man auch Dissertation nennen” übersetzt werden kann, ist weit hergeholt.

Wobei – stelle ich zur Ehrenrettung der Maschine fest – ein Translator freundlicherweise die deutschen Texte verhöflicht. Schreibt man im Deutschen ein “Du”, wird es im Russischen zum “Sie”. Selbst dann, wenn man als Schreiberling seine Leser duzen will.

Im Übrigen kennt ein Translator das Swetlana-Geier-Problem. Nur anders als vermutet.

Жук жужжал = der Жук brummte.

12/15/2009

Heute würde ich am liebsten nur möhlen

 

Doch es wird ein Scheißtag, ahne ich bereits jetzt.

Wir müssen Geschenke kaufen und – schreibe ich voller Vorurteil - sie wird sich wieder einmal lange nicht entscheiden können. Gleiches gilt auch für das Sakko, welches ich unbedingt für die anstehende Neujahrsfeier brauche. “Ich will, dass du Silvester gut aussiehst”, sagt sie und ich verfluche mich. Ach, hätte ich doch nicht so viel abgenommen – vielleicht wäre das alte Sakko heute noch gut?

Sie will bei meinem Einkauf unbedingt mit und wird mich – weiß ich aus langjähriger Erfahrung – aus einem Kostüm ins nächste treiben, bis wir möglicherweise wieder bei dem angelangt sind, welches sofort - auf Anhieb sozusagen - passte.

Meine Krawatten sind ebenfalls veraltet. “Solche trägt Mann seit Monaten nicht mehr!”

*seufz*

Die Metamorphose vom Mann zum Weihnachtsbaum wird mir freudig nicht gelingen.

Und: Es wäre schön, könnte man den obligatorischen Tanz um das Goldene Kalb wenigstens auf das deutsche Weihnachtsfest beschränken. Was aber in meiner Familie nicht geht, weil seit den Zeiten, da Stalin in der Sowjetunion hauste, sich die Menschen dortzulande an Neujahr Geschenke geben. Heute noch!

Wenig später folgt übrigens das alte Neujahr, Starij Nowij God, das Neujahr nach Julianischem Kalender. Orthodoxes Brauchtum. Auch hierfür brauche ich ein Kostüm mit Krawatte -

- die aber nicht die sein darf, die man am deutschen Silvestertag bereits trug.

12/14/2009

Den Neuerervorschlag entdeckte ich zwischen alten Unterlagen

 

Zwischen meinem alten DDR-Reisepass, meinem Wehrdienstausweis und diversem anderen Papier.

Datiert ist der Vorschlag am 3. November 1989 – entstand also noch vor dem Mauerfall. Und eine gespürte Ewigkeit vor dem 10-Punkte-Plan des Kanzlers Kohl. Inzwischen ist die Farbe des Neuerertextes verblasst, doch der Text bleibt fehlerfrei und ist gut lesbar. Noch. Mein Freund, der Neuerer, schlug seinerzeit vor, die sozialistischen Betrieben und Kombinate in sozialistische Aktiengesellschaften zu wandeln, dergestalt, dass jeder Angestellte in Zukunft am Erfolg beteiligt sei.

Aber nicht um den Vorschlag geht es mir, sondern um eine Retrospektive an eine gute Zeit. Und die begann im Oktober 1989 im Osten unseres Landes mit der Entmachtung Honeckers und – ich erinnere mich, als ob es gestern war – mit dem Gefühl, plötzlich darf alles gedacht werden. Und mit der Illusion, dass der kranke Staat nun endlich auch für die verrücktesten Ideen zugänglich sein könnte.

Rotweingespräche. Diskussionen. Morgens Kater.

Lustig waren – aus heutiger Sicht – die Themen der Kneipen. 

Wird unsere Zukunft Matriarchat?

Es war, wiederhole ich mich, eine schöne Zeit für Spinner.

Bis zum Beitritt.

Von da an, geriet das Land wieder in gefestigte Strukturen.

Epigenetik ist eine neue Disziplin in der Molekularbiologie

 

So neu, dass die Vokabel im Text automatisch rot unterstrichen wird.

In dem Ort Överkalix, der sich relativ isoliert von sonstiger menschlicher Welt in Nordschweden befindet, führten dessen Einwohner 200 Jahre lang eine präzise Chronik über ihr Alltagsleben, die Erträge ihrer Ernten, Hungersnöte und Wohlstand. Diese Chronik ist nun Vorlage für Forscher, die nach Beweisen für eine These suchen, die ebenso einfach wie ungeheuerlich ist: Nicht nur das Erbgut selbst, auch gewisse Lebenserfahrungen werden über Generationen weitergegeben.

Erster Beweis: Die Lebensumstände der Großeltern haben Auswirkungen auf die Gesundheit ihrer Enkel. Forscher entdeckten einen bis dahin nicht für möglich gehaltenen Zusammenhang: War zu Zeiten der Großeltern Nahrung im Überfluss vorhanden, stieg bei den Enkeln die Rate an Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nahmen zu. Und anders: Hungerten Oma und Opa, kamen deren Enkel untergewichtig zur Welt. 

Die Gene haben also offenbar eine Art biologisches Gedächtnis.

Und es muss in den Genen noch deutlich mehr verborgen sein als das, was wir derzeit nachzuweisen in der Lage sind. Denn dass sich eine Ente krank stellt wenn ihre Brut in Gefahr ist, hat ihr niemand beigebracht. Ebenso scheinen große Teile des Sozialverhaltens dem Hunde via Erbgut vorgegeben. In der Schule damals – erinnere ich mich - wurde meiner Generation noch als Erklärung für manches tierische Verhalten die Vokabel “Instinkt” vermittelt.

Aber “Instinkt” bedeutet nur, dass man es sich nicht erklären kann.

 

Quelle: http://abenteuerforschung.zdf.de/ZDFde/inhalt/4/0,1872,7950788,00.html

12/13/2009

Da sind sie wieder – die Fehler jeder Übersetzung

 

Und ich – so die nun endgültige Feststellung – bin als Übersetzer nicht geeignet.

Ich würde verzweifeln, weil es in jeder Sprache etwas gibt, was die andere nicht kennt. Die Pünktlichkeit der Deutschen – beispielsweise – verliert bei einer Übersetzung ins Ukrainische völlig an Bedeutung.

Merke: Ukrainische Pünktlichkeit ist ein Oxymoron, weil man entweder Ukrainer ist oder pünktlich. Beides zusammen geht nicht.

Wörtlich übersetzte Vokabeln haben oft deshalb nicht den selben Charakter, weil Lebensweise in jede Sprache dringt. Man liest etwas richtig - und kann dennoch nicht immer wissen, was in einer anderen Sprache damit gemeint ist.

Gleichwohl rufen auch Zeichen unterschiedliche Assoziationen hervor. Ein @ ist in Russland ein Hund, doch dies wiederum, ist in Deutschland schwer vermittelbar weil man in Deutschland das @ eher für eine Brezel hält.

Cyrillic_letter_Zhe Und andererseits die Deutschen, die sich mit dem Erlernen der russischen Sprache quälen. Sie glauben im russischen Ж einen Maikäfer zu entdecken, was gewiss näher an der Symbolik ist, als der Hund @. Nun aber gibt es auch (wahrscheinlich aus dem Buchstabenbild abgeleitet) russische Käferworte, die in der deutschen Sprache mit der selben Bedeutung logischerweise unbekannt bleiben müssen. Und an welchen sogar die bekannte Sprachmittlerin Swetlana Geier geradezu verzweifelte. Ihr Beispiel: “Жук жужжал” (Puschkin).

Wollte man “Жук жужжал” ins Deutsche übertragen, sähe man sich gezwungen, dies mit “ein Käfer brummte” zu tun. Anders geht es nicht wörtlich. Aber selbst derjenige, der der russischen Sprache überhaupt nicht mächtig ist, kann beim Anblick von “Жук жужжал” geradezu davon ausgehen, dass hinter der Fassade jener unbekannten Buchstaben Käfer brummen müssen – so sieht es jedenfalls aus.

Die wirkliche Schönheit einer Sprache kann man nur in der selben erfassen.

Heute ist Sonntag

 

Es ist 5:00 Uhr.

Asterix muss um solche Zeit immer pullern. Ganz leise kommt er ans Bett, stupst mich – wieso immer nur mich? - mit der Schnauze an, ich werde wach *seufz* ziehe mich an und wir schlürfen los. Ich mit dem Hund, den sie sich einst wünschte. Wie an jeden Morgen so auch heute, am Sonntag, erfülle ich eine Aufgabe, die eigentlich meine nicht sein sollte. Immer morgens und immer zur gleichen Zeit. In Kälte, bei Regen, nun auch noch im Schnee. Immer nur ich und IHR Hund. Der, den man IHR zum Geburtstag schenkte. 

Wir beide bemühen uns dabei auch noch so leise zu sein, dass sie nicht wach wird.

Doch heute ist es für ihn anders: Neue Gerüche im Hausflur, fremde Schuhe sind abgestellt, Schnee vor der Tür. Bei einer Nachbarin sind Enkel zu Besuch. Offenbar sind Ferien. Die Enkel gehen zu Oma-und-Opa, ein Schneemann wurde gebaut.

Alles kann Asterix schweigend passieren, aber der Schneemann – plötzlich – erschreckt ihn.

Seine Reaktion: Bellen. Vor Angst.

Ich beruhige schweigend, indem ich ihn auf den Arm nehme und wir uns gemeinsam der Figur nähern. “Keine Gefahr” signalisiere ich dem Hund.

Dann können wir in Ruhe spazieren. Eine kleine Runde. Doch auf dem Rückweg steht wieder ein Schneemann vor der Tür. Oder immer noch. “Keine Gefahr” weiß zwar der Hund, aber es gefällt ihm plötzlich zu bellen. Aus Übermut wahrscheinlich, oder weil es so schön widerhallt, wenn weitere Geräusche fehlen. Und der Krepel will sich auch nicht verbal beruhigen lassen, will nun auch nicht auf den Arm genommen werden.

Nur mit Mühe gelingt es mir, ihn zu fangen.

Oben angekommen, höre ich den Vorwurf einer erwachenden Schönheit.

“Warum habt IHR denn unten solchen Lärm gemacht?”

Verwirrtes Smiley   Wir?   Verwirrtes Smiley

Wir haben geschwiegen - Ihr Hund hat gebellt.

12/11/2009

Jeder ist selbst seines Glückes Schmied

 

So die Weisheit des Volkes.

Aber was ist, wenn die Esse kalt bleibt? Weil der Koks fehlt? Wenn der Rauchfang von Spinnweben behangen und Schraubstöcke sich nicht öffnen lassen? Wenn Zangen der Bank als Pfand hinterlegt?

Glück ist kompliziertes Rohmaterial, wir wissen es.

Plötzlich reibt sich Herr Schmidt die Hände. Spürt Glühen. Ist freudig-erhitzt. 

Her mit dem kalten Wasser!

Nach dem Abschrecken kann geschlichtet werden.

So entsteht strukturiertes Gesenk.

12/10/2009

Es gilt nun, diverses Schulungsmaterial nach Verwertbarem zu scannen

 

Handbücher und Pe-De-Effs.

Für Deutsche gemacht. "Wie ein Ukrainer richtig funktioniert."

Auf Seite 10 finde ich einen Merksatz.

“Gehen Sie nicht davon aus, dass etwas akzeptiert oder gar gemacht wird, nur weil es sachlich einsichtig erscheinen müsste. Zur sachlichen Einsicht müssen nun noch diverse Motivationsanreize hinzukommen.”

Wie wahr, denke ich. Lesend. So funktioniert auch der private Bereich.

“Investieren Sie in die Beziehung zu den Personen, mit denen Sie regelmäßig zu tun haben. Nehmen Sie sich Zeit dafür.”

Richtig.

Dann scanne ich weiter im Material. Lauter kleine Richtigkeiten. Doch ich finde das Entscheidende nicht. Denn wenn der ukrainische Laden laufen soll, brauchen angestellte Ukrainer neben gesonderter Zuwendung auch Druck, Erniedrigung und Willkür. Im Sinne von “brauchen” im wahrsten Sinne des Wortes. Wobei ich – der Deutsche – lange Zeit Willkür ablehnte, später aber einsehen musste, dass es ohne sie nicht geht.

Ukrainer sind von der Logik des Dritten Schalters geradezu entzückt.

dritter-schalter

Nirgendwo anders als bei “Flemming” fand ich bisher den ukrainischen Funktionsmechanismus besser erklärt.

Die Versuchsanordnung: Drei Behältnisse mit Futter, drei Schalter und eine Ratte. Drückt die Ratte auf den ersten Schalter, bekommt sie ein Futterkorn, drückt sie auf den zweiten Schalter bekommt sie nichts und hinter dem dritten Schalter verbirgt sich Unlogik – Mal bekommt die Ratte ein Korn – mal nichts – mal fünf Körner – dann mehrmals hintereinander nichts – dann überraschend drei Körner – na und so weiter. “Und was meinen sie: Welchen Schalter hat wohl die Ratte am häufigsten gedrückt?”, fragt Flemming seine Studenten.

“Den dritten?!”

“Richtig. Den dritten Schalter!” – Sie wollte wissen, wie das Ding funktioniert. Halbverhungert holte man schließlich die Ratte aus dem Käfig und dies obwohl sie einfach nur auf den ersten Schalter hätte drücken müssen, um ausreichend versorgt zu werden. “Willkürliche Verstärkung” heißt der Vorgang in einer Fachsprache.

“War die Ratte männlich oder weiblich?”, fragt eine Studentin.

“War es eine deutsche oder ukrainische Ratte?” hätte ich gefragt.

Quelle: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite#/beitrag/interaktiv/876084/Psychologie---heiter-und-verstaendlich/

12/9/2009

Wieder schlägt der Regulator unserer Nachbarn

 

So etwas ist hier gut zu hören, wenn die Nebengeräusche der Straße fehlen.

Inzwischen haben wir uns an ein Leben ohne TV-Gerät gewöhnt, gehen zeitiger schlafen, werden daher früher wach und hören morgens oft der Nachbarn Uhr.

Ein Fernseher ist unnötig, finde ich inzwischen, insbesondere seit das Internet erfunden und Hertha nur noch verliert.

Genau als das alte Gerät den Geist aufgab, hatten wir Besuch. “Was machst du nun?” fragten mich ukrainische Freunde. Meine Antwort war einfach, verblüffte sie aber doch: Ich rufe die Sperrmüllentsorgung an, vereinbare einen Termin, stelle das Gerät auf die Straße, der Kasten wird abgeholt und entsorgt.

“Aber vielleicht kann man Teile davon noch verwenden?”

Solche Frage macht den Unterschied. Vor allem das “Vielleicht”. Man könnte dieses oder jenes noch gebrauchen oder kennt jemanden, der etwas davon gebrauchen könnte, ist die Intention eines Ukrainers - was eine Reparatur kosten würde, die eines Deutschen. Und da es bei manchem Discounter hin und wieder für 100 Euro TV-Geräte gibt, macht einem Deutschen Bastelei keinen Sinn.

So gab ich ihnen den defekten Kasten.

Dieser Tage erkundigte ich mich beiläufig nach dem Verbleib des alten Gerätes und erfuhr, dass es so kaputt war, dass noch nicht einmal ein Ukrainer etwas damit anfangen konnte. Weshalb der Kasten nun in einem Wald bei Kiew vor sich hinmodert, statt in Deutschland entsorgt wurden zu sein.

Das andere Thema erledigte sich wie von selbst. Bei einem Einkauf in einem der Billigketten platzierte ich eine 100-Euro-Kiste im Einkaufswagen, sah ihren erstaunten Blick und hörte die alles entscheidende Frage:

“Brauchen wir das wirklich?”

Worauf ich keine Argumente fand und das Gerät zurück ins Regal hievte.

So sind wir also bereits zwei drei Monate ohne TV -

- und können daher hören, dass der Regulator der Nachbarn die falsche Zeit schlägt.

12/8/2009

Deutsch ist nun die Familiensprache einer Freundin

 

Kein Wunder: Die Freundin lebt ja auch mit einem Deutschen.

Mit jemanden, der von Russisch keine Ahnung hat. Was bewirkt, dass die Freundin, die deutlich später als sie nach Deutschland kam, inzwischen die deutsche Sprache ziemlich gut beherrscht. Auch in deutschen Sitten und Bräuchen kennt sie sich besser aus.

“Sie kann inzwischen besser Deutsch als ich!”

Ich höre den Vorwurf im Text. Der aber als solcher unbegründet ist, wie mir scheint. Weil, wenn sie wöllte… – Sie ist von Deutsch geradezu umzingelt: Überall um uns ist Deutsch und fast überall kann man in diesem Lande deutsch reden, tun oder sein.

Aber mit solcher Vermutung hatte ich gefehlt.

“...und dies ist deine Schuld!”

Da wir immer nur Russisch reden, höre ich staunend, hätte sie nicht die Chance, Deutsch zu lernen. So wie ihre Freundinnen es bereits taten. En passant oder - wie ich mich selbst lautlos und zynisch ergänze - im Bett.

Na gut, denke ich nun, dies werden wir ändern und ich trage ihr auf, jeden Tag eine deutsche Vokabel zu lernen.

So lernte sie gestern “Hühnersuppe”, heute “Zeckenzange” und morgen wird sie sich “Fahrradschlauchventil” einprägen.

Das Wochenende ist für "Milchflaschenverschluß" reserviert.

12/7/2009

Mäuse sind auch Tiere

 

Es gibt keinen Grund, sich hierüber lustig zu machen.

Trotzdem fand ich`s komisch, denn der Wartesaal war voll mit leidenden Hunden und Katzen, sowie mit solchen Tieren, die wie Asterix auf eine profilaktische Impfung warteten - das geballte tierische Elend!

Da erscheint eine junge Frau mit Kasimir – ihrer Maus. Die Maus habe heute den ganzen Tag nichts gegessen, gibt sie zu Protokoll.

Manche Katze auch, denke ich schmunzelnd. 

Dreilinden ist ein ausgezeichnetes Ausflugsziel

 

Hier kann man immer gut parken, viel entdecken und den Hund laufen lassen.

Außerdem rennen nicht annähernd so viele Jogger durch die Gegend, wie im Babelsberger Park.

Wer danach sucht, findet die Überreste des “KPP Nowawes” – des Kontrollpassierpunktes, der nach der Berlinblockade, im Juli 1949, eingerichtet wurde. Zumindest die Masten für die Fahnen der Sieger und Asphaltbeschriftungen, wie “BUS”, “PKW”, “LKW” und “EINORDNEN”. Diese Beschriftung hielt 60 Jahre nahezu unbeschadet. Auch die alten Fahrbahnmarkierungen der stillgelegten Autobahn sind heute noch gut zu erkennen.PKW Dreilinden

Friedensware, denke ich kurz, verwerfe den Joke aber wieder – das ist nicht witzig genug.

Jedenfalls gründete sich noch im Jahr der Eröffnung des KPP, nur wenige Monate später, die DDR und aus einer Zonengrenze wurde eine Staatsgrenze. Aber ob es wirklich eine Staatsgrenze war – wir wissen es – war nur eine der vielen Meinungen.

Kartenbild

Nowawes ist relativ weit entfernt – wieso nannte man das Konstrukt “KPP Nowawes”?

Nur zwei Erklärungen fallen mir ein: Entweder kannte sich der Kartograph nicht aus oder er wollte die Feinde Stalins täuschen. Was aber beides albern scheint, auch den damaligen Machthabern vielleicht, und weshalb sie es ein Jahr später, im Oktober 1950, in “KPP Drewitz” umbenannten. Was wiederum etwas richtiger ist, aber immer noch nicht exakt.

Dreilinden oder Kleinmachnow liegen näher am Punkt.

Da der KPP 1969 zugunsten eines neuen Checkpoints aufgegeben wurde, bis 1989 aber ungestört im Grenzgebiet verblieb, sind Reste noch vorhanden, durch die sich nun Natur ihren Weg bahnt. Bäume im Asphalt.

Alte Fotos gibt es auch noch im Netz, sie gehören Ha.-Jo. Helwig-Wilson und sind signiert.

http://www.berliner-mauer.de/fotoarchiv/helwig-wilson/dreilinden/index.htm
http://www.panoramio.com/photo/13247707

12/5/2009

Was wir erleben ist oft banal

 

Für manchen Menschen wichtig, für andere nicht.

Jedenfalls ruft sie an, nur “um mitzuteilen, dass heute ihre Ausreise…”

Schwupps! – Sie spricht mit Genschers Stimme. Steht irgendwo in Kiew, auf dem Balkon der Prager Botschaft, und der Rest ihres Textes geht im Jubel unter. Aber der ist nicht nur, weil nun endlich von dort ausreist,

- sie hat auch noch die Taschen voller Geld.

12/4/2009

Bemerkenswert war die Zeit zwischen den Ereignissen

 

Zwischen Mauerfall und Vereinigung.

Sie war einmalig. Die Staatsdiener der DDR wurden zwar noch von ihr bezahlt, doch viele von ihnen fühlten sich aber in Folge der zahlreichen politischen Eruptionen und den damit verbundenen Diskussionen nicht mehr mit ihrem Arbeitgeber verbunden. Bekundeten, von nun an alles anders machen zu wollen. Und handelten entsprechend.

Was wiederum manchmal zu kuriosen Verrenkungen führte.

So stellte ich seinerzeit in Potsdam einen PKW im Halteverbot ab – erinnere ich mich - was einen LKW am Weiterkommen hinderte und weshalb der Fahrer die Polizei rief. Die Polizei und ich erschienen am Tatort und ein Polizist sprach an mich gewandt sonderbare Worte:

“Bitte entschuldigen sie, dass wir sie ansprechen. Es ist offenbar ihr Fahrzeug. Und dies ist ein Halteverbot. Aber das Schild wurde nicht von uns aufgestellt. Nicht von der Polizei. Wir sind auch nur hier, weil man sich beschwerte. Wenn sie nun bitte so freundlich sein könnten, ihr Fahrzeug zu entfernen? Bitte.”

Der flehende Blick jenes Polizisten aus dem Jahre 1990 brannte sich tief in meinem Gedächtnis ein.

Die andere Geschichte wurde mir erzählt:

Irgendwer schrieb im Dezember 1989 eine Eingabe an die Zollverwaltung der DDR mit der Kritik, ihm sei aus einem der Westpakete ein Monopoly-Spiel entwendet wurden. Dies sei eine Ungeheuerlichkeit! Und jetzt, da sich alles wende – so der Schreiber - möchte er sein Spiel zurück.

Woraufhin ihm der DDR-Zoll das Spiel schickte, mit einem Begleittext, voll der Bitte um Nachsicht für vergangenes Unbehagen. Was nie wieder vorkommen werde. 

Der Gag: Derjenige, der die Eingabe verfasste, hatte keine Verwandtschaft im Westen, erhielt somit nie eines der begehrten Pakete und daher konnte ihm auch nichts aus einem solchen abhanden kommen.

Er hatte einfach nur die Zeichen der Zeit erkannt.

Und entsprechend gehandelt.

12/3/2009

Plötzlich habe ich die Idee, in dritter Person zu schreiben

 

Nicht ICH sondern ER.

Nicht WIR sondern SIE.

Einen Namen fand ich auch. ER heißt nun Schmidt.

Schmidt ist ein Stino.de – ein stinknormaler Deutscher. Einer der eines Tages auszieht, Europa zu schauen. Ostwärts. Weil er zuvor bemerkte, dass wir Europäer, die wir so oft Europa in den Mund nehmen, verbal nur einen Teil jenes Gebildes erfassen. Europa – entdeckt Schmidt - ist ein Erdteil. Dessen geografischer Mittelpunkt liegt in der Ukraine. Im Grenzland sozusagen.

Eines weiteren Tages bemerkt Schmidt darüber hinaus den Strudel sich vermischender Mentalitäten, entdeckt beiläufig, dass sich dieser Strudel westwärts verschiebt und beobachtet, wie hier manches angenommen und anderes verworfen wird. Wie man sich im Grenzland Deutschland immer wieder missversteht, zugleich aber ändert, allerdings ohne es zu merken.

Doch zuvor - vor aller Erkenntnis - muss Schmidt reisen. Entweder dem Strudel folgend oder einfach nur von Ost nach West.

Unterwegs, im Grenzland Ukraina, trifft Schmidt auf Petrenko. Sie werden ein Paar. Petrenko und Schmidt.

Hierzu sind Kurzgeschichten zu liefern, denke ich und nenne die Ereignisse, in die es mich nun hineinzieht “Geschichten von Petrenko und Schmidt”. Bemerke aber genau an diesem Punkt anhand des Namens - nämlich sozusagen - dass es dieses Modell bereits gibt. In Gestalt der “Geschichten von Hinze und Kunze” vom hochverehrten Volker Braun.

Jetzt zerknautsche ich alle meine Ausdrucke und verwerfe erst einmal die zentrale Idee.

12/2/2009

Es gibt Menschen für die ist ein Buch kein Buch

 

- sondern eine Reise.

So lautet heute der Radio-Paradiso-Claim.

Sicher gibt es bessere Sprüche – aber diese Stimme! Wie sie es haucht - dieses Achtundneunzig-Zwo-Radio-Paradiso! Da fühlt man sich geneigt, das Radio mit ins Bett nehmen. Zu kopieren. Nachzuahmen.

Es gibt Menschen für die ist ein Buch kein Buch, sondern eine Werkbank. - Für solche Menschen schreibe ich. – 14-4-8-0 Potsdam. - Gedanken mit Gefühl.

(Aber in Wahrheit wurschtele ich immer noch am Vorwort herum)

Trainieren, trainieren und nochmals trainieren

 

Wäre ich wichtig, würde man's zitieren.

So aber bleibt es an mir, mit solchen Sprüchen umzugehen. Wohl wissend Recht zu haben. Nur indem man die interneuronalen Synapsen trainiert und somit in Schwung hält, geraten die meisten Nervenzellen immer wieder miteinander in Kontakt und die Hirn-Community bleibt langfristig erhalten. So kann jeder Verblödung entgegen gewirkt werden. Einerseits. (Andererseits natürlich auch mit gesunder Ernährung, aber hierfür bin ich in unserer Familie nicht zuständig.)

Jedenfalls bemühe ich mich - seit einigen Jahren schon - mir alle neuen Telefonnummern langfristig zu merken, ebenso PINs und Termine, spiele immer noch regelmäßig Schach, trainiere Logik mit diversen Logik-Trainern, kontrolliere mich via IQ-Tests und unterhalte sogar ein öffentliches Gedankenjournal.

Doch heute – im Schlaf – bemerkte ich, dass sich die Neuronengemeinschaft inzwischen anschickt, selbständig für Termine zu sorgen. Fiktiv. Termine, die ich zugleich - wie behauptet wird - vergessen haben soll.

Ihr Säcke da oben – was soll das!?

Schweißgebadet wurde ich wach.

So hatte ich träumend einen Termin verpasst, den es nie gab.

12/1/2009

Endlich haben sie verstanden, dass der Faktor Zeit das Essential jedes Geschäftes ist

 

Zeit ist Geld ist Binsenweisheit.

Um dies zu vermitteln, telefonierte ich aus dem deutschen Festnetz auf ein ukrainisches Mobiltelefon. Neunzig Minuten lang. Und jetzt – so scheint es - haben sie es endlich verstanden.

Doch die Kosten hierfür, trage ich.

 

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